Gebrauchsanweisung fürs Segeln

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Ein etwas merkwürdiger Titel ist das ja schon. Natürlich fragt man sich, wer denn eine Gebrauchsanweisung fürs Segeln braucht und an wen sich das Buch also wendet. Ist es so eine Art Lehrbuch? Für Segelanfänger oder solche, die noch nie etwas von dieser irrsinnigen Beschäftigung gehört haben? Oder soll es doch von Seglern gelesen werden, aber wozu sollten die dann eine Gebrauchsanweisung benötigen?

Natürlich darf man den Titel nicht ernst nehmen, das ganze Buch darf man nicht tierisch ernst nehmen und das ist im besten Sinne gemeint. Hier plaudert ein Segler über seine liebste Beschäftigung, auf sehr sympathische Art, denn es ist ein ganz normaler Segler wie du und ich. Keiner, der dreimal rückwärts mit geschlossenen Augen um Kap Horn gerast ist oder ohne Boot fünfmal um die Welt, nonstop und ohne Bier. Kein Rekordjäger, kein Held, noch nicht einmal ein bezahlter Profisegler.

Ein Profi allerdings ist er im Schreiben. Marc Bielefeld ist Journalist und Autor und das, was man als Chefredakteur eines anspruchsvollen Magazins gemeinhin als „Edelfeder“ bezeichnet. Er schreibt tolle Reportagen aus allen Ecken der Welt, und auch hier in seinem Buch schreibt er lebendig, anschaulich und höchst unterhaltsam. Als Segler ist einem nicht alles neu, was er hier beschreibt, aber dennoch ist es ein Vergnügen, dieses Buch zu lesen. Ja, ich habe auch schon so einiges erlebt beim Segeln und schreibe diese Zeilen am denkbar schönsten Ort der Welt, nämlich an Bord meines eigenen Bootes – und doch, hier und da ist man bei der Lektüre überrascht, an anderen Stellen nickt und grinst man, nur ganz wenige Seiten lassen sich zur Not auch überblättern. Die wiederum dürften andere Leserinnen und Leser interessieren, die noch nicht so tief in die Materie eingetaucht sind, wie wir.

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Und ganz großartig dann seine Kapitel über den „Wörtersee“, über das Verbindende von Literatur und Seefahrt, von Segeln und Lesen. Oder über Larry. Jenem märchenhaft reichen Ellison, der den America’s Cup umgekrempelt hat – Marc Bielefeld beschreibt seinen Versuch, diesen Tycoon zu interviewen, in San Franciso, im Auftrag eines der eben erwähnten anspruchsvollen Magazine. Welch eine fremdartige Welt tut sich da auf – und dabei schafft Marc Bielefeld es so ganz en passant noch, das Spektakel America’s Cup an der angemessenen Stelle einzuordnen in der Welt der Normalsegler. Und ja, auch mit Wehmut habe zumindest ich dieses Kapitel gelesen – welch paradiesische und leider wohl für immer untergegangene Zeiten, als man als Reporter ein, zwei Wochen lang nach San Francisco düsen durfte, natürlich auf Verlagsspesen, in der vagen Hoffnung – aber keinesfalls mit der Garantie – ein wenn auch noch so kurzes Interview mit diesem exzentrischen Milliardär zu ergattern.

Aber das nur am Rande. Erklärt wird in dem Buch auch, es wird über Stürme und Hasadeure geschrieben, es wird von Aerodynamik und Archimedes und vielem anderen berichtet und am Ende tritt der gewünschte Effekt ein: Man möchte sofort aufs Boot und gleich wieder los schippern. Denke ich zumindest. Und so würde ich dieses Buch auch sofort und sehr gerne allen jenen Freundinnen und Freunden und Bekannten schenken, die zwar schon mal etwas vom Segeln gehört haben, dieser schönsten Beschäftigung der Welt aber noch nicht so wirklich verfallen sind. Mit der durchaus begründeten Hoffnung, dass sich das nach der Lektüre dieses Buches ändern dürfte.

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Hier geht es zum Autotrenportrait von Marc Bielefeld

Hier geht es zu seinem Buch „Wer Meer hat, braucht weniger“

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