Katrin Linke und Karsten Brensing: Kurswechsel ins Blaue

Man ist ja nie vor einer positiven Überraschung sicher. „Kurswechsel ins Blaue“ ist keines der üblichen Weltumseglerinnenbücher, kein romantisierendes, klischeehaftes Schwärmen über das Dasein als Dauersegler. Nein, es ist anders, was man jedoch erst allmählich merkt –so, wie auch diese vierköpfige Familie erst nach und nach in der teils rauen Realität des Seglerinnenlebens ankam. Dieses Buch nimmt uns mit auf die Lebensabschnittsreise der beiden Eltern mit ihren schulpflichtigen Zwillingssöhnen, die sich damit einen Lebenstraum erfüllen möchten. Der Gedanke reifte in den Zeiten von Corona, wo sich ja für viele Menschen so einiges änderte und das glücklicherweise nicht immer nur zum Tragischen. Nach einem etwas holprigen Start verbringen die vier zunächst zweieinhalb Jahre an Bord und segeln von Griechenland bis in die Karibik, wo zumindest das Buch endet. Die Segelreise wird zwar für längere Zeit unterbrochen, soll aber wohl auf jeden Fall zu einem späteren Zeitpunkt fortgeführt werden.

 

Soweit die Basics. Lesenswert ist das Buch nicht nur, weil es gut geschrieben ist, in einem unaufgeregten, aber stellenweise dann eben doch mitnehmenden und insgesamt auch sehr persönlichen Stil. Sicher half dabei, dass die Haupt- und Ich-Erzählerin Katrin Linke von Beruf (Wissenschafts)Journalistin ist. Wichtiger aber ist sicher, dass hier gelungen ist, den ganzen (oft ja sehr anstrengenden) Bordalltag des Seglerinnenlebens ehrlich zu beschreiben. Sowie den ebenfalls nicht einfachen Weg dorthin, wobei die wichtigen und ganz grundsätzlichen Fragen wie nach der Finanzierung eines solchen Abenteuers, nach den beruflichen Aspekten oder auch der Beschulung der Kinder an Bord nicht ausgespart, sondern offen und nachvollziehbar beschrieben werden.

 

Und so geht es weiter. Katrin und Karsten waren beim Start ihrer Reise keine Segelanfänger, eine gewisse Segelerfahrung hatten beide offenbar schon vorher gehabt, aber das Liveaboardleben ist dann eben doch noch mal ein anderes als das Urlaubssegeln. Schön, dass die beiden uns nicht nur auf ihre Reise mitnehmen, sondern alle Erfahrungen dabei so ehrlich teilen – die guten, wie auch die weniger guten. Die Glücksmomente ebenso, wie die auch immer mal wieder aufkommenden Zweifel.

 

Wie sagte mir vor Jahren ein englischer Alleinsegler in Portugal einmal? Er liebe das Leben als Segler. Denn die Tiefpunkte seinen zwar sehr tief, aber die Hochs dafür auch umso höher. Alles andere eben, als ein Landleben als „Flatliner“…

 

Katrin, Karsten und ihre Söhne scheinen das ähnlich zu sehen. Ihr Fazit am Ende des Buches will ich nicht spoilern, aber ja – es gibt wohl auch ein lebenswertes Leben an Land. Aber an Bord zurück und weiter segeln wollen sie dann doch wieder. Oder?

 

Eine echte Leseempfehlung vor allem für alle, die vielleicht einen ähnlichen Traum in sich tragen. Und sich dabei vielleicht fragen: Wäre das wirklich das Richtige für mich? Und als Bonus, sozusagen, werden in diesem Buch quasi en passant (aber auch gezielt in einem eher übersichtlichen Anhang) einige der immer wieder gestellten Fragen zu populären Themen wie „Kat oder Mono“, oder „wie viel Technik an Bord“ und vielen mehr beleuchtet.

 

Das Buch „Kurswechsel in Blaue“ gleich hier in unserem Literaturboot-Buchladen bestellen!

Das interessiert Sie vielleicht auch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Meine Bücher

Detlef Jens – Im Kielwasser des Geldes. Ein Segel-Krimi aus Hamburg
Detlef Jens – Gefährliche Gezeiten. Ein Segel-Krimi aus der Bretagne
Detlef Jens – Black Jack. Ein Segel-Krimi
Detlef Jens – Hafenjahre, Leben an Bord
Detlef Jens - Land's End. Ein Segelbuch über das Leben an Bord

Komm an Bord

Gute Arbeit verdient mehr als ein Like. Zeige deine Unterstützung und werde Mitglied.