Inseln und noch mehr Inseln

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on pinterest
Share on whatsapp
Share on email

Wie viele Inseln hat die Ostsee? Und wie wenige kenne ich davon. Und wie wunderschön viele doch sind. Einige habe ich im Laufe vieler Jahre angelaufen, zwei weitere sind für mich in diesem Sommer als „Neuheiten“ dazu gekommen: Hanö in Südschweden und Omø am Rande des Großen Belts. Jedenfalls, die schiere Vielfalt der Inseln. Mondän oder einsam, wild oder idyllisch, nah oder fern – alles ist dabei. Lyngör oder Hille in Norwegen. Koster und Marstrand und so viele andere in Schweden, deren Namen ich vergessen habe. Und natürlich die idyllischen kleinen Inseln in Dänemark, von denen gleich die Rede ist.

Inseln und noch mehr Inseln - Literaturboot - Blog

Man fragt sich zuweilen, was die Menschen auf diesen Inseln machen, wovon sie leben und wofür. Fast noch direkt vor meiner Haustür liegt die kleine Insel Aarø. Wie so viele kleine Eilande in Süddänemark wirkt auch diese, als sei sie aus einem romantischen Bilderbuch ausgerissen. Und sie ist flach. Der höchste Punkt liegt gerade acht Meter über dem Meeresspiegel. Eine ordentliche Flut, und – sie haben diese Katastrophe schon gehabt, die Menschen von Aarø, im Jahre 1872, als halb Dänemark abgesoffen war. Das kleine Dorf mit alten Häusern im Schatten noch älterer Bäume drängt sich an der Westseite der Insel zusammen, nicht weit vom Hafen. Nirgends kann man hier dem Wasser entfliehen, von überall sieht man es irgendwo blau aufblitzen. Ein ungewöhnlicher Ort für einen Winzer, aber der Inselwein gedeiht und schmeckt sogar gut. Dänischer Wein! – Mehr über den Wein von Aarø hier.

Inseln und noch mehr Inseln - Literaturboot - Blog

An einem anderen Tag machte ich mein Boot im bescheidenen Inselhafen von Drejø fest. Damals war ich alleine, frisch von meinen Reisen weiter westlich im Atlantik zurück. So wanderte ich über die frische und blühende Insel, alleine mit mir und meiner Vergangenheit. Dieses Inselleben! Wie ich die Menschen beneidet hatte, die an so entrückten Orten wie diesem leben, also ich noch ein Teenager war, zu Besuch mit kleinen Booten, in den immer viel zu kurzen Sommerferien. Später bin ich selber eine Insel geworden, Jahrelang unterwegs mit meinem Boot, einer weiteren, schwimmenden Insel. Wie ich damals auch davon geträumt hatte, immer an Bord, immer unterwegs… Nun kam es mir vor, als müssten die Menschen auf diesen kleinen Inseln ähnliche Träume haben, der Enge der Insel zu entkommen und über den Horizont hinaus zu gelangen. Viele schafften es, trieben Handel mit den Hansestädten der Ostsee, wie die Leute von Drejø im Jahre 1840. Die Fotos an den Wänden des Wohnzimmers, welches so tut als sei es der Kro, zeigen es jedenfalls. Oder war es noch später? Männer in Bowlerhüten und Cutaways, vor Segelschiffen und Dampfschleppern. Das Bier auf den Bildern: Albani Odense Classic, gebraut seit wohl 200 Jahren, ich trinke das Gleiche, was diese Männer auf den vergilbten Schwarzweißfotos getrunken haben werden. Jedenfalls, die „Krostue“. Ein skandinavisches Wohnzimmer, nicht hübsch, eher nüchtern und praktisch. Fünf Tische, eine winzige Bar und ein elektrisches Piano, darauf ein Buch „555 Lieder“. Aber die Abende sind wohl lang hier, vor allem im Winter.

Inseln und noch mehr Inseln - Literaturboot - Blog

Ich möchte etwas essen aber der Koch ist fortgegangen, wie eine ziemlich große Dame freundlich erklärt. Sie habe keine Ahnung, wohin. Die Insel ist wirklich klein, aber der Koch hat es geschafft, davon zu kommen. Schade. Die Dame hat aber eine Lösung parat. Sie wird mir etwas Hühnchen braten, mit frischem Salat und vielleicht nicht ganz so frischen Fritten. Auch gut, denke ich. Der Koch, erfahre ich später, war hinunter zur Fähre gegangen um etwas abzuholen. Das ist immer noch die einzige regelmäßige Verbindung zum „Festland“, Fünen, was wieder eine Insel ist. Gut, sie ist größer und wird auch der „Garten Dänemarks“ genannt, weil sie so fruchtbar sei. Wenn sie nur wüssten, auf Fünen, von Drejø. Hier wuchert es sicher noch viel grüner, ausgelassener, üppiger. Ist es, weil diese kleinen Inseln einst aus der See aufgestiegen sein müssen? Oder weil die Bauern ihre Felder hier mit dem Guano der Möwen düngen oder auch mit frischem Seetang? Woran auch immer es liegt, es ist eine prächtige kleine Insel und die Legende der alten Dame muss sicher wahr sein. Vor etwa zwei Jahrhunderten soll der Verwalter des Königs, der einmal im Jahr die Inseln besuchte, zu einer rüstigen 80-Jährigen gesagt haben: „Ihr Leute habt sicher ein gutes Leben, eure Insel ist gut gelegen!“ Worauf die alte Dame erwidert haben soll: „Ja. Eine Meile nach Taasinge, eine nach Fünen, eine nach Ærø. Mein Gott! Dass Drejø so direkt im Mittelpunkt der Welt liegt!“

Ich liebe diese entzückenden, romantischen Inseln.

Inseln und noch mehr Inseln - Literaturboot - Blog

Foto: Claus Visby

Kennen Sie jemanden, der das gern lesen würde? Hier klicken und teilen:

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on pinterest
Share on whatsapp
Share on email

Das interessiert Sie vielleicht auch

Warum segeln wir?

Rudolf August Ordnung (1904 bis 1978), alias Peter Igelhoff, kennt heute kaum noch jemand. Das ist schade, unsterblich hat er sich dennoch gemacht, mit unzähligen Schlagern, die in den 1930er Jahren und, nach dem Krieg, ab den 1950ern sehr beliebt waren. Darunter das schöne Lied mit folgendem Refrain: „In meiner

Podcast: Über das Profisegeln, Umwelt und Grüne Tiger

Ein Gespräch mit Profisegler, Student und Autor Nik Willim, der gemeinsam mit Asadullah Haqmal einen bemerkenswerten Ökothriller geschrieben hat: Grüne Tiger.  Dieser „Ökothriller“ ist ein Erstling der beiden jungen Autoren Nik Aaron Willim und Asadullah Haqmal  – und was für ein Einstieg! Es geht um das Thema, was uns alle

Rund um den Limfjord

Die dänischen Traditionssegler segeln im September wieder ihre schon traditionelle „Regatta“ rund um den Limfjord. Wer möchte, kann an Bord dabeisein.  Martin lässt das alles ganz kalt. Da kann Jesper noch so hektisch am Rad kurbeln, um hinter dem Heck der „Carene Star“ vorbei zu luven, der Schiffsjunge hockt stoisch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.