Blind Date

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Neulich hatte ich mal ein Date. Ja, tatsächlich, wenn auch nur virtuell per Computer-Chat. Quasi ein Blind Date. Mit welchem Programm auch immer, das spielt ja keine Rolle, es ist sowieso nicht wie im richtigen Leben.

Oder? Eine Weile verstanden wir uns prima, wir waren ja schließlich auch an irgendeinem Ort im Internet aufeinander gekommen wo es ums Segeln ging. Irgendwann aber wurde es, sagen wir, anstrengend. Für mich. Es war genau genommen auch nicht irgendwann, sondern nachdem ich ihr erklärt hatte, dass ich bald, endlich, wieder ganz und gar und permanent an Bord eines Segelbootes ziehen würde. Nein, erklärte ich geduldig, nicht nur für einen Urlaub und die Wochenenden. Nein, ich brauche dann weder Garten noch Balkon und nein, ich brauche dann auch keine feste Behausung an Land mehr. Und nein, erklärte ich weiter, ich werde nicht um die Welt segeln und ich muss auch nicht unbedingt in die Karibik oder in die Südsee. Ich habe Kinder und einen Job und beides hält mich hier in Nordeuropa fest, wo es mir im Übrigen auch sehr gut gefällt.

Und dann war ich im Zugzwang. Warum denn um Himmels willen auf einem Boot wohnen? Immerhin ist dies mein großer Wunsch, ich habe schon einmal mehrere Jahre auf verschiedenen Booten gelebt und von daher weiß ich also, was mich erwartet. Aber ich wollte meinem Blind Date gerne vermitteln, warum mich das so begeistert.

Das wiederum ist nicht einfach, wenn man die Sache rational sieht. Zirka 25 Quadratmeter Wohnfläche, vielleicht etwas mehr oder auch weniger, keine große Deckenhöhe, dafür eine winzige Küche, ein noch kleineres Bad, Feuchtigkeit und Kälte und überhaupt…

Ich versuchte, meine romantischen Gefühle zu erklären. Die ich nicht für sie, sondern für ein Leben auf einem Boot hegte. Und wenn man so etwas, das aus dem eigenen Bauchgefühl heraus ganz natürlich ist, jemandem erklären muss, dann ist es eben nicht leicht. Ich führte alle möglichen Argumente an; erwähnte den derzeitigen Trend zu „Tiny Houses“ – aber die stehen wenigstens auf festem Boden, konterte sie. Ich erklärte, wie befreiend es sei mit wenig auszukommen und sich dem ewigen Kaufrausch und Überfluss zu verweigern – worauf sie meinte, sie gehe gerne shoppen und sie habe auch gerne mehr als nur ein paar Schuhe. Das unnachahmliche, verträumte Ambiente einer Kajüte führte ich an, abends, bei gemütlich schummrigen Licht und leisem Schaukeln … das kannte sie auch, aber, so meinte sie, es nutzt sich doch nach einer Weile etwas ab und dann möchte sie eben doch wieder ein ordentliches Badezimmer und überhaupt den zuverlässigen Komfort ihrer Wohnung haben.

Ja, dachte ich resigniert, sie hat ja recht. Aus ihrer Sicht. Sie weiß eben nicht, wie schlecht ich an Land schlafe, in einem stillen und toten Ding namens „Haus“. Sie kann nicht wissen, wie gut auch meine Kinder an Bord geschlafen haben als sie noch Babys und Kleinkinder waren, weil sich da immer etwas bewegt, immer etwas gegluckst hat, weil ein Boot eben etwas Lebendiges ist. Wo man die Natur nicht mit der Haustür aussperrt, sondern sie jeden Tag in jeder Laune erlebt. Und es gäbe noch tausend Gründe mehr, ein Leben auf dem Wasser zu genießen, aber am Ende fiel mir nichts mehr ein.

Ich meinte dann nur noch: Ich möchte eben einfach morgens aufwachen, die Nase aus dem Luk stecken, Seeluft schnuppern und Wasser sehen.

Und was soll ich sagen? Das hat sie dann überzeugt.

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