Mein Gotland

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Das vorweg: Dieses Buch nehme ich auf in meine ganz persönliche Sammlung der Bücher mit den schönsten ersten Sätzen. Hier: „An einem unbekannten Ort anzukommen, ist wie der erste Kuss mit einem Fremden.“

Allerdings, und das ist für eine Seite über Segelliteratur, eine Seite von und für SeefahrerInnen wie Literaturboot.de es eben ist, weniger schön, es geht dann gleich mit einem Schiffbruch weiter. Die „Fortuna“, die trotz ihres Namens in einer winterlichen Sturmnacht auf die Felsen eben dieser Insel Gotland aufläuft. Zerbricht, nicht ganz sinkt, denn die Reste des Wracks sind ja noch da.

Gestrandet auf Gotland. Auf einer Insel mit Ingmar Bergman und Pippi Langstrumpf.

Die Geschichte der „Fortuna“ ist eine der vielen, die Anne von Canal von „ihrem“ Gotland erzählt. Einige traurig, andere melancholisch und schön. Geschichten, wie es im Verlagstext heißt, „von Einsamkeit, von Sturm und Schiffbruch, von Menschen, Figuren, Orten und Ereignissen, die die Insel prägen.“

Wer bisher nur die laute, fröhliche, sommertrubelige Ferieninsel Gotland erlebt hat, wird sich wundern. Was aber hier in diesem Buch so zart wir eindringlich beschrieben wird, ist eben „ihr“ Gotland, Anne von Canals Gotland. Das ist eine Insel im Winter, weitab vom bunten Treiben des Sommers. Ein im Winter entrückter Ort, an dem es sich vortrefflich über Wind und Wetter, über Zeit und Einsamkeit fabulieren lässt. In solchen Inselwintern, so scheint es, kann die Autorin auch ihre „ausgeprägte Sucht nach Geschichten“ ausleben, mit all den Protagonisten, die ihre Gedankenwelt bevölkern. Als Kind schon, wie sie schreibt, aber ganz bestimmt auch noch jetzt.

Die wunderbare, überraschende, geheimnisvolle Insel Gotland gibt allemal genug Stoff dafür her. Und Anne von Canal versteht es meisterhaft, eine fabelhafte Lektüre daraus zu machen. Kurz: Sehr empfehlenswert!

 

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