Frankreich für (lese)Genießer

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Vive la France. Schon lange wollte ich über französische Krimis schreiben. Sie empfehlen, als spannend, aber auch voller Joie de Vivre, selbst wenn sie vordergründig nicht immer wirklich maritim sind. Kommissar Georges Dupin hasst Boote gar, obwohl er doch in Concarneau arbeitet, dieser wunderbaren alten Hafenstadt in der südlichen Bretagne. Mit Les Glenans vor der Tür, quasi, wo auch gleich sein erster Fall stattfindet und er eben doch Boot fahren muss, mehr als ihm lieb ist, vom Festland hinüber und hin und her zwischen diesen Inseln. Kommissar Leon Duval hingegen arbeitet in Cannes und weiß die Yachten dort zumindest schon mal als Kulisse durchaus zu schätzen. Capitaine Roger Blanc hingegen findet sich plötzlich in einem alten Gemäuer in der Provence wieder, nicht weit von der Küste, aber eben doch im Binnenland. Gemeinsam ist diesen dreien übrigens das grausame Schicksal (personifiziert in Form ihrer jeweiligen Vorgesetzten), dass sie alle drei, aus nur angedeuteten und mehr oder weniger unerklärten Gründen, aus Paris weg in die Provinz versetzt hat. Und wie es so ist in solchen Büchern: so grausam solch eine Verbannung zunächst erscheinen mag (auch mit den dazugehörigen privaten Komplikationen), so sehr mögen die drei dann doch früher oder später ihre neuen Lebensmittelpunkte. Dupin lernt mit zunehmender Begeisterung, was es wirklich heißt, Bretone zu sein. Duval findet sich mitten im Filmfestival wieder und Blanc löst nicht nur seinen Fall auf spektakuläre Art, sondern stolpert auch gleich in eine gefährliche Liebschaft. Einzig Kommissar Jacques Leblanc aus Trouville an der Küste der Normandie trauert keinem Vorleben in Paris nach – aber das mag auch daran liegen, dass sowieso tout Paris im Sommer nach Trouville kommt um die Küste und den Strand und das Meer zu genießen. Und alle diese vier Herren sind echte Gourmands und Genießer, auch den Damen sind sie natürlich nicht abgeneigt, wobei Leblanc in dieser Hinsicht am aktivsten ist und gleich mehrere Liebschaften unterhält – voilà, nous sommes en France.

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In diesem Zusammenhang muss auch unbedingt Bruno Courrèges erwähnt werden, Chef de Police in einem kleinen Kaff im Périgord, in der wunderschönen Dordogne östlich von Bordeaux und nun wirklich mitten im Binnenland. Doch die Bruno-Bücher des schottischen Historikers und politischen Journalisten Martin Walker sind ein echter Lesegenuss und schon lange Kult. Zumal die Krimis von Walker auch immer einen historischen oder zeitgenössisch-politischen Bezug haben, was sie besonders spannend macht – im ersten Fall von Bruno geht es auch um den Algerienkrieg, in anderen Bänden um die ehemals französische Kolonie Vietnam, die damals noch Indochina hieß, oder um Afghanistan. Aber im Zentrum ist dennoch immer das idyllische Saint Denis, die geliebte Heimat von Bruno, der hier eigentlich nur sein Leben genießen möchte mit Kochen, seiner Rugbymannschaft, guten Weinen und in gelegentlicher Gesellschaft attraktiver Damen. Tolle Bücher, obwohl Bruno, der arme Kerl, so gar keine Verbindung zum Meer hat.

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Noch nicht einmal eine Hassliebe wie Georges Dupin. Auch dies sind tolle Bücher, wo vor allem die wundervolle Bretagne in all ihren liebenswerten und schrulligen Eigenheiten lebendig wird. Und ja, Dupin sitzt gerne an einem der vielen malerischen Häfen der Bretagne und betrachtet das Meer, anders ginge es hier ja auch gar nicht, vorzugsweise mit einem petit café oder einem Glas Wein vor sich auf dem Tisch – solange er selbst sich auf terra firma befindet, hat Dupin eigentlich gar nichts gegen das Wasser oder die Boote, die es befahren. Problematisch wird es nur, wenn er selbst an Bord gehen soll – neigt er doch zur Seekrankheit und hat daher auch sonst kein großes Vertrauen in die christliche, oder auch bretonische, Seefahrt. Dennoch, auch diese Bücher sind charmant, spannend, unterhaltsam. Und daher ebenfalls ganz oben auf meiner Liste der schönsten Frankreich-Krimis.

Cannes

Immerhin, bei Catherine Cazin wird es im dritten Fall von Léon Duval maritim – doch dieses Buch, „Stürmische Cote d’Azur“, erscheint erst im Frühjahr, noch können wir dazu also nichts sagen – außer, dass auch ihre Bücher, wie überhaupt alle hier genannten, sehr gut gelesen werden können. Und das kann man beileibe nicht über jeden Krimi sagen! Das Schöne an diesen Kriminalromanen für Francophile ist auch, dass sich hier jeder seine bevorzugte Region aussuchen kann. Nur eins ist natürlich schade: Frankreich mit seinen langen, fantastischen Küsten, den vielen Häfen, den Seglern und der alten Seefahrts- und Seglertradition: Nichts Maritimes. Aber es gibt eben auch sehr, sehr viele Landmenschen hier, schon Napoleon hatte die Bedeutung der Seefahrt ja auch noch nicht begriffen.

Fazit: Insgesamt sind es alles lesenswerte und unterhaltsame Bücher, die auf charmante und liebenswürdige Weise zwar auch die üblichen Klischees bedienen, aber das wollen wir letztendlich ja auch lesen, oder? Unsere Helden der Polizei hier sind alle, auf die eine oder andere Art, Frauenhelden, Feinschmecker und Genießer… na gut, warum nicht. Gönnen wir uns einfach das Vergnügen, vor allem wenn man selber dieses Frankreich und die Lebensart dort liebt.

Hier geht es zu den Büchern mit Bruno, Chef de Police, von Martin Walker

Hier geht es zu den Bretagne-Büchern mit Georges Dupin, von Jean-Luc Bannalec

Hier geht es zu den Cannes-Krimis mit Léon Duval, von Christine Cazon

Hier geht es zu den Provence-Krimis mit Roger Blanc, von Cay Rademacher

Hier geht es zu den Trouville-Krimis mit Jacques Leblanc, von Catherine Simon

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