Zweimal Cape Cod, für Kenner und Fans

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Die Kennedys mögen zwar berühmt, einem persönlich aber vielleicht egal sein; die Familienquerelen, der Leistungsstress unter dem die Söhne groß wurden, ach, all die vielen Geschichten und Probleme. Oder man ist fasziniert von dieser Dynastie, die über Generationen hinweg ihren Platz in der Geschichte der USA und, in Person von John F. Kennedy, auch in der Weltgeschichte haben. Wie auch immer man zu dieser Familie steht, diesem Ostküsten-Clan, das bleibt: Die Verbundenheit mit dem Wasser, mit dem Atlantik, und vor allem der Einfluss des Segelns. Frappierend der Gedanke, dass auch die Reichen und Mächtigen dieser Welt, jedenfalls im Falle dieser Kennedys, sich am allerliebsten in kleinen (und auch größeren) Segelbooten herumtrieben.

Das macht sie sympathisch und menschlich. Ich habe in der Schule immer Segelboote in meine Hefte gemalt, wenn ich mich langweilte, und das war fast ein Dauerzustand. Dass ich damit eine Passion mit John F., genannt Jack, Kennedy teilte, wusste ich bis vor kurzem nicht. „Während der Sitzungen oder beim Telefonieren im Weißen Haus zeichnete Jack Kennedy häufig Segelboote, manchmal auch mit einem Gaffelsegel am Mast, wie die Victura eines trug. Mit ihren Gedanken waren Jack und seine Geschwister ihr ganzes Leben lang auf See. Das Segeln beeinflusste ihr Denken und ihr Handeln, den Inhalt ihrer politischen Reden, die Art und Weise, wie sie als Familie feierten oder trauerten, und die Nähe, die sie zueinander empfanden.“ Dass ich nicht Präsident der USA oder, wenigstens, Bürgermeister von Entenhausen geworden bin, kann man also nur als eine hässliche Laune des Schicksals bezeichnen.

Natürlich geht die Geschichte weit über diese kleine Gemeinsamkeit hinaus, das Zitat stammt übrigens aus dem Buch Der Kurs der Kennedys von James W. Graham. Dort lesen wir auch, wie die Familie Kennedy 1925 ihren ersten Sommer in einem Haus in Hyannis Port, Cape Cod, am Nantucket Sound verbrachte. Mit direktem Wasserzugang, natürlich, einem privaten Strand und unbeeinträchtigten Meerblick. Es gibt Gegenden in dieser Welt, da muss man einfach Segeln, wenigstens aber eine innige Affinität zu kleinen Booten entwickeln. Diese hier, am Nantucket Sound, gehört unbedingt dazu. Vergleichbar mit der Bretagne, aus der so viele Französische Segellegenden stammen, oder Cornwall oder dem norwegischen Seefahrernest Lyngør oder, in ganz geringem Maße, sogar dem Hamburg meiner Jugend, in dem wir so oft die Schule schwänzten um mit unseren Jollen auf der Elbe segeln zu gehen.

Teschke_Mein Cape Cod_Cover

Zurück nach Neu-England, an die vornehme Ostküste der USA. Die übrigens nicht überall so vornehm ist, wie sie es hier und da vorgibt. Vergessen wir es nicht, dies ist auch die Heimat von Moby Dick. Nantucket, die Walfängerinsel, auf der einst auch der Autor Herman Melville auf einem Walfänger anheuerte. Auch darüber berichtet das zweite, sehr schöne und sehr persönliche Buch über diese wunderbare Gegend: Mein Cape Cod, ebenfalls, wie Kennedy, im mare Verlag erschienen. Darin heißt es, ziemlich zu Anfang: „Es lag auch daran, dass wir in dieser Maiwoche in jedem Ort und in jedem Buchladen neue Geschichten entdeckten, die zu den Indianern, Pilgern und den alten Walfängern von Cape Cod führten, zu Ishmael und Queequeg, Starbuck und Stubb, Tashtego und Daggoo und zu Ahab und Moby Dick. Langsam begriff ich, dass die Geschichte, die Melville in diesem Buch erzählt hatte, weit über die fanatische Jagd eines rachsüchtigen Kapitäns auf einen alten Wal hinausging. Und doch begriff ich auch da noch nicht, was dieser ehemalige Walfänger, der auf seiner Farm in den Berkshires den größten Roman der amerikanischen Literatur geschrieben hatte, wirklich erzählte. Ich ahnte jedoch, dass ich die Geschichte dieser Küste und ihrer Bewohner besser kennenlernen musste, um das Buch zu verstehen.“

Dieses Buch, Mein Cape Cod, ist ein wunderbarer literarischer Spaziergang, in dem auch Edward Hopper, alte und junge Einwohner, vergessene Künstler und verschollene Seefahrer ihre Rollen spielen. Und, ach ja, natürlich die Kennedys von Hyannis Port. Mehr als die aber hat Moby Dick den Autor fasziniert: „Vielleicht nehme ich Moby Dick auch deshalb immer wieder mit nach Rügen und denke an die erste Lektüre zurück und an jene Welt meiner Kindheit, in der es noch eine klare Linie zwischen Gut und Böse zu geben schien. Cape Cod ist ein zweites Zuhause geworden, die Linie zwischen Gut und Böse jedoch unschärfer. Die Faszination der alten Geschichten ist geblieben, genauso wie der Wunsch, von den Entdeckungen zu erzählen, die ich bei meiner Suche auf den Spuren von Melville und Moby Dick gemacht habe. Deshalb werden auf den folgenden Seiten jene Indianer und Pilger, Walfänger und Seefahrer aus meiner Kindheit wiederauftauchen, aber auch die Künstlerinnen und Künstler Cape Cods, deren Weg ich in den letzten zwanzig Jahren verfolgt habe. Sogar die verlorene Liebe zum Theater ist zurückgekehrt, dank der Erinnerung an Ishmaels letzte Worte: »Das Drama ist zu Ende. Warum tritt jetzt noch einer vor den Vorhang? Weil einer den Schiffbruch überlebte.«

Wenn das keine Lust macht auf das Buch… und dieses Zitat auf das Kennedy-Buch: „Von der riesigen Veranda ihres Hauses am Nantucket Sound aus hatten sie einen unverstellten Blick auf die See, die sich ständig veränderte, auf Wolken, die ihre Farbe wechselten, und auf das Glitzern des Sonnenlichts, das vom Wasser reflektiert wurde, auf schwerelos dahingleitende Möwen und elegante Schoner. Sie konnten an den Strand gehen oder sich zum Outer Cape wagen, das von Wind und Wellen umtost wurde. Der Weg dorthin war von sanft geschwungenen, mit Schilf bestandenen Dünen gesäumt. Joes Zimmer im Obergeschoss hatte einen Balkon, auf dem er sitzen und die Szenerie beobachten konnte – seine Kinder, die über den Rasen tobten, das Meer, auf dem ihre Boote tanzten, und den Horizont, an dem sich für jeden von ihnen ein außergewöhnliches Schicksal abzeichnete.“

 

Zwei ganz und gar unterschiedliche Bücher, beide aber gut geschrieben und gemacht, die sich aus ganz unterschiedlichen Richtungen dieser faszinierenden Gegend annähern. Beide, jedes auf ihre Art, lesenswert – und im „Zweierpack“ einfach perfekt!

Hier geht es zum Nantucket-Reisebericht auf Literaturboot

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