Als Prinz Philip das Deutsche Schifffahrtsmuseum besichtigte

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Ein Beitrag von Annica Müllenberg

Mit Salutschüssen und Glockengeläut gedachte das britische Volk seinem verstorbenen Prinzen Philip. Ein Konzert aus Signaltönen erklang auch am 25. Mai 1978 durch Bremerhaven, als der Herzog von Edinburgh und die Queen von Bord der BRITANNIA traten und sich auf den Weg ins Deutsche Schifffahrtsmuseum (DSM) machten. Ein Blick zurück auf einen royalen Besuch und ein letztes Farewell an den Prinzgemahl, Schiffsliebhaber und ehemaligen Marine-Offizier.

Der Mann hinter der Queen

Er ließ ihr stets den Vortritt, bewahrte respektvoll Abstand zu der berühmtesten Monarchin der Welt. Am 9. April 2021 starb Prinz Philip im Alter von 99 Jahren. Anlässlich der Trauerfeier am Samstag, 17. April, lohnt sich ein Blick zurück auf den 25. Mai 1978, als vor allem der Prinzgemahl mit seiner Begeisterung für Maritimes in Bremerhaven und im DSM auf seine Kosten kam. Am Nachmittag dieses Mai-Tages legt die Jacht BRITANNIA an der Columbuskaje an. Der Blick auf das Programm verspricht eine beispiellose Empfangszeremonie mit einer Parade von beflaggten Schiffen und einen historischen Exkurs rund um die Schifffahrt im DSM.

„What Shall We Do With A Drunken Sailor“
Pünktlich um 15 Uhr werden die Leinen festgemacht, die schneeweiße Gangway angelegt und auf ihr der rote Teppich ausgerollt: Vor den Augen tausender Menschen, die vom Land und zu Wasser von vielen Schiffen winken, schreiten Prinz Philip und die Queen von Bord auf die Pier. Sie winken höfisch-distanziert und fahren gemächlich in der Wagenkolonne davon – standesgemäß im neuen dunkelroten Rolls-Royce.

Vor dem DSM schwenkt ein Meer aus Menschen kleine Union Jacks und drängt sich dicht, um Blicke auf das Königspaar zu erhaschen. Kinder erklimmen die Takelage der Kletter-Kogge auf dem Spielplatz, um die Massen zu überblicken. Die Stimmung an diesem nordisch-frischen Mai-Nachmittag ist maritim, herzlich und fröhlich. Ein Marinechor schmettert „Rolling Home“ und „What Shall We Do With A Drunken Sailor“ und heißt die Royals mit einer Spur britischem Humor willkommen. Dörte Behrmann, heutige Pressereferentin bei der Erlebnis Bremerhaven, war damals 14 Jahre alt und erinnert sich an das Fieber, von dem Bremerhaven schon lange vor dem staatstragenden Ereignis gepackt war. „Wir hatten schon Wochen vorher in der Zeitung gelesen, dass die Queen und Prinz Philip kommen. Selbst die Erwachsenen waren aufgeregt und für mich als Teenager war es etwas absolut Herausragendes, was ich vorher noch nie erlebt hatte.“ Lange harrte sie auf Höhe des heutigen Erweiterungsbaus aus und wartete, das Königspaar live zu sehen. „Wir standen diszipliniert auf dem Gehweg und dann fuhr dieses riesige Auto langsam vorbei. Durch die großen Fenster konnte ich die Queen sehr gut erkennen.“

Vor der Museumsbesichtigung steht der offizielle Akt an: Im Schatten eines blau-weiß-roten Blumenstraußes liegen aufgeschlagen das Goldene Buch der Stadt Bremerhaven und das Gästebuch des DSM. In Letzterem verewigte sich bereits Juan Carlos, der König von Spanien. DSM-Direktor Dr. Detlev Ellmers begrüßt die hohen Gäste und führt Elizabeth II. durch die Schau. Während seine Frau den englischen Erläuterungen lauscht, verfolgt der Spross deutsch-griechischer Adliger die Gespräche auf Deutsch. Beide vertiefen sich in Seekarten, inspizieren Schiffsmodelle, verweilen länger am Fischereipanorama und erkundigen sich nach dem Verbleib der Jacht HOHENZOLLERN.

Einmal Marine, immer Marine
Als Mann mit höchsten militärischen Rängen zieht die Marineabteilung den früheren Offizier magisch an. Insbesondere das Zwei-Mann-U-Boot SEEHUND nimmt er genau in Augenschein. Höhepunkt der Besichtigung ist der Rundgang um die Bremer Kogge von 1380, das besterhaltene Wrack des Mittelalters. Dieses befindet sich zu jenem Zeitpunkt – 16 Jahre nach dem spektakulären Fund in der Weser – noch in einem sehr frühen Stadium der Konservierungsarbeiten, als Elizabeth und Philip das einstige Handelsschiff bestaunen. Erst vier Jahre später wird die Kogge in einem Tank mit durchsichtigen Scheiben ausgestellt und darin mit dem Kunstwachs Polyethylenglykol konserviert. 18 Jahre verbleibt sie dort, bevor sie im Jahr 2000 das Konservierungsbad verlassen kann.
Die Queen – Herrscherin eines seefahrenden Volkes – zeigt sich beeindruckt von der Bremer Kogge. Prinz Philip will genaue Details zur Konstruktion und Bergung wissen. Es heißt, am liebsten hätte er das Wrack geentert und sehr viel genauer betrachtet. Dem strengen Zeitplan muss er sich unterordnen – der frühere Marine-Kommandeur bleibt neben der Queen der ewig Zweite in der Rangfolge. Das fällt auch Wolfram Scheer auf, der den Besuch als Fotograf dokumentiert: „Er spielte die zweite Geige und blieb immer fünf Schritte hinter der Queen. Sie stand im Fokus, das merkte man. Ich erinnere mich auch noch daran, dass er deutsch sprach.“

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Die königliche Yacht Britannia legt an der Columbuskaje an

Und doch kann Prinz Philip in Bremerhaven kurz aus dem Schatten der Monarchin treten und seiner Leidenschaft für Maritimes nachgehen: Für den Abend hat der Herzog von Edinburgh eigene Pläne, die ihn an seine Karriere bei der Marine und den Einsatz im Zweiten Weltkrieg erinnern. Als 18-Jähriger diente er zuerst auf dem britischen Kriegsschiff HMS RAMILLIES und später auf zahlreichen anderen Schiffen. Am frühen Abend besichtigt er deshalb den Zerstörer HESSEN. Dicht an seiner Seite – Wolfhard Scheer, wie sein Foto zeigt. „Damals gab es noch nicht so ein Sicherheitsdenken wie heute. Ich war als Fotograf auf der Columbuskaje fünf Meter vom Auto der Royals entfernt und auf der Brücke der HESSEN kam ich ziemlich nah an Prinz Philip ran.“ So erlebt der Herzog seinen ganz eigenen Moment, steht im Zentrum des Fotos und genießt die Aufmerksamkeit der Beteiligten. Farewell, Prinz Philip.

Das Deutsche Schifffahrtsmuseum / Leibniz-Institut für Maritime Geschichte
Die wechselvolle Beziehung zwischen Mensch und Meer zu erforschen und in Ausstellungen erlebbar zu machen – das hat sich das Deutsche Schifffahrtsmuseum / Leibniz-Institut für Maritime Geschichte (DSM) in Bremerhaven zur Aufgabe gemacht. Es ist eines von acht Leibniz-Forschungsmuseen in Deutschland. Mit seinen rund 100 Mitarbeitenden und Auszubildenden und circa 8000 Quadratmetern überdachter Ausstellungsfläche zählt es zu den größten maritimen Museen Europas. Zurzeit befindet sich das DSM im Wandel und verbindet eine Gebäudesanierung sowie den Bau eines Forschungsdepots mit einer umfassenden Neukonzeption aller Ausstellungs- und Forschungsbereiche.
https://www.dsm.museum/

 

Dieser Beitrag erschien zuerst auf nordische-esskultur.de

 

 

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