Jon Sanders: Alter schützt vor Segeln nicht!

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Jon Sanders ist 81 – und gerade von seiner 11. Solo-Weltumsegelung zurück. Der alte Herr aus Westaustralien war zuvor schon der bisher einzige Mensch, der dreimal nacheinander nonstop und alleine um den Globus segelte und dabei ganze 657 Tage am Stück auf See war. Im November 2019 war er nun noch einmal gestartet, zu seiner 11. Weltumrundung unter Segel. Dabei musste er nicht nur mit generell wildem Wetter leben, sondern bekam auch noch heftigen Gegenwind in Form der globalen Pandemie zu spüren.

Jon Sanders: Alter schützt vor Segeln nicht! - Literaturboot - Blog

Losgesegelt war er in Fremantle, mit seiner von Sparkman & Stephens entworfenen 39-Fuß-Yacht „Perie Banou“ – eben jener Yacht, mit der er bereits einige Male den Globus umrundet hat und auch als erster Solo-Segler überhaupt um die Antarktis herum gesegelt ist. Während dieser Reise, 1981-82, passierte er die drei großen Kaps im Süden: Horn, Gute Hoffnung und Leeuwin, bevor er Kap Hoorn ein zweites Mal umrundete. Danach drehte er nach Norden, um nach Plymouth, Großbritannien zu segeln, bevor er wieder nach Süden hielt und noch einmal um das Kap der Guten Hoffnung herum und nach Fremantle zurück segelte.

Jons aktuelle, 11. Weltumsegelung verlief gut, bis die globale Pandemie zuschlug als er in der Karibik ankam. Auf der letzten Etappe der bisherigen Reise, von Tahiti nach Bundaberg, Australien, überlebte er dann einige der schwersten Wetterbedingungen, die er seit Jahrzehnten erlebt hatte. „Er geriet in drei sehr große Stürme, und in einer Phase segelte er mit allen Segeln nach unten, um das Boot zu verlangsamen, mit Winden von mehr als 120 Kilometern pro Stunde und hoher See, die über das Boot krachte“, sagte Jons Teamleiter an Land zu ABC News.

Das Boot nahm so viel Wasser über, dass schließlich der Motor überflutet wurde und die Elektronik komplett ausfiel. Deshalb brauchte das Boot einige größere Reparaturen, während es in Bundaberg war, bevor Jon auf die letzte und finale Etappe nach Fremantle aufbrach. Wie Jon in seinem einmalig bescheidenen Stil in seinem Blog schreibt: „Ein paar Reparaturen von den großen Stürmen, nachdem ich Tahiti verlassen habe. Das sollte mich für ein paar Wochen beschäftigen, vielleicht auch länger. Das Back-up hier in Bundy ist sehr gut, A1. So ist es.“

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Unterwegs hatte er sich schon für die Wissenschaft nützlich gemacht. Auf den Ozeanen sammelte er Wasserproben aus den Ozeanen und lieferte diese dann an die Curtin University in Australien ab. Dabei hilft er dem Projekt „No Plastic Waste“, indem Wissenschaftler anhand der von ihm gesammelten Proben bestimmen können, wie viel Plastik und Mikroplastik in den entlegensten Teilen der Ozeane schwimmt.

 

Vor seinem Start im November 2019 sprach Sven Cornelius, CEO von Rolly Tasker Sails, in Australien mit ihm:

Was für ein Boot segelst du?

Eine alte S&S 39, die ursprünglich, 1971, als Rennyacht für den Eintonnerpokal entworfen und gebaut worden war. Sie wurde ganz knapp hinter dem Sieger zweite. Damals waren die Rennyachten auch noch ziemlich gute Hochseeboote. Vor allem am Wind segelt mein Boot sehr gut und weich im Seegang. Ab und zu gibt es einen kleinen Rums, aber ein modernes Boot haut ja in jede einzelne Welle heinein, das macht meines nicht.

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Was sind die wichtigsten Faktoren für eine Hochseeyacht?

Stärke. Solidität. Mach sie stärker, stabiler, vor allem im Rigg. Erst danach kann man versuchen, sie wieder etwas leichter zu machen. Und sie sollte so einfach wie möglich sein. Außerdem kann es nicht schaden, vernünftige Segel zu haben, von Rolly Tasker Sails zum Beispiel. Die erfüllen meine wichtigsten Kriterien: Zuverlässigkeit und Haltbarkeit auch unter extremen Bedingungen. Und sie stehen gut, denn als Antrieb für mein Schiff müssen sie natürlich auch ihre Leistung zeigen… Rolly Tasker hat meine Segel für mich gemacht, seit ich ein Teenager war. Bei meiner Dreifach-Weltumsegelung hatte ich zwei Großsegel von ihm dabei. Nach einem Jahr habe ich die Segel gewechselt, und als ich endlich nach Hause kam hätte ich mit den gleichen Segeln sofort weiterfahren können. Das müssen erstmal andere Segel schaffen!

Welches sind die wichtigsten Ausrüstungsteile?

Segel, Mast, Rigg. Und natürlich eine gute, sehr zuverlässige Selbststeuerung. Möglichst mit mindestens einem Backup.

Beschreibe einmal kurz deine Route?

Von Fremantle aus segele ich nach Mauritius. Um das zu tun, geht es rund 1000 Seemeilen nach Nordwesten, dann biege ich nach Westen ab. Danach geht es unten um Südafrika herum, dann an St. Helena vorbei in die Karibik wo ich in den British Virgin Islands anhalten werden. Von dort geht es nach Panama und weiter nach Französisch-Polynesien, dann nach Neukaledonien und zurück an die Ostküste Australiens.

 

Während seines Aufenthaltes in Bundaberg telefonierte Detlef Jens mit Jon:

Eine 11. Weltumsegelung im Alter von 80 / 81 Jahren, Glückwunsch!

„Nicht viele haben mehr als 10 Weltumsegelungen gemacht und ich bin wahrscheinlich der Älteste. Ich bin mir nicht sicher, aber möglicherweise.“

Du hast also auch deinen Geburtstag auf See gefeiert?

Jon lacht: „Ja. Daran bin ich schon ziemlich gewöhnt!“

Hat die weltweite Pandemie deinen Zeitplan und deine Pläne beeinträchtigt?

„Ja. Das war in St. Maarten, das tatsächlich die höchste Infektionsrate pro Kopf hatte. Ich habe zwei Wochen isoliert an Bord verbracht, dann war auch die Lagune geschlossen. Ich musste aber nach Panama, dort verbrachte ich wieder zwei Wochen in Isolation, bevor zumindest die Passage und meine Leinenführer und so mit Covid-Tests organisiert werden konnten. Dann bin ich über einen Monat nach Tahiti gesegelt, natürlich ohne jegliche Kontakte, also war alles in Ordnung. Dasselbe hier in Bundaberg, ich habe Tracker auf meinem Boot, jeder konnte meine Route verfolgen und sehen, dass ich alleine auf dem Boot in Isolation war.“

Was hat sich in den letzten Jahrzehnten in Bezug auf die Tierwelt in den Ozeanen verändert?

“Es gibt jetzt mehr Wale als noch vor ein paar Jahrzehnten. Außerdem scheint es nach dem, was ich von anderen höre, weniger Kollisionen mit Walen zu geben. Man hat immer von ihnen gehört, weil sie großen Schaden anrichten, aber jetzt scheint es nicht mehr so viele zu geben. Vielleicht, das ist nur mein eigener Gedanke, könnte unsere Elektronik an Bord sie warnen, wer weiß?“

Hast du über die vergangenen Jahre hinweg besondere Veränderungen in den Großwetterlagen beobachtet?

“Nun, man hört im Radio und im Fernsehen, dass es definitiv mehr Hurrikane hier, dort und überall gibt, aber meiner Erfahrung nach ändert sich das Wetter ständig. Ich wurde auf dieser Reise ein paar Mal überrascht, aber auch das ist normal, so dass ich die großen Wettermuster und wie sie sich im Laufe der Jahre verändern, nicht wirklich beurteilen kann.“

Wirst du noch einmal lossegeln?

„Nun, man könnte sagen, dass es für mich nicht vernünftig wäre, in meinem Alter noch einmal so eine Reise zu machen. Aber das hätte man auch schon vor dieser Reise sagen können. Und es gibt dieses gute alte englische Sprichwort: Sag niemals nie! Wozu soll ich zuhause an Land herumsitzen, wenn ich auch segeln könnte? Soll ich etwa den Garten umgraben?“

Wenn er wieder zu Hause in Fremantle ist, wird Jon rund 24.000 Meilen gesegelt sein, mit Zwischenstopps auf Mauritius, Kapstadt, St. Helena, St. Maarten, Panama, Tahiti und jetzt Bundaberg.

 

Mehr über Jon Sanders gibt es bei Rolly Tasker Sails und direkt auf seiner eigenen Webseite.

 

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