Hans Leip, Lili Marleen und Jan Himp

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Kennen Sie den Schriftsteller Hans Leip? Nein? Kennen Sie das Lied Lili Marleen? Ja? Dann kennen Sie auch Hans Leip. Der „Hamburger Jung“ hat den Text dazu geschrieben und auch wunderbare Seefahrergeschichten.     

Von Jens Mecklenburg 

Kennen Sie das Buch „Jan Himp und die kleine Brise“? Es ist vom Hamburger Hans Leip und erschien erstmalig vor 85 Jahren. Seefahrerromantiker werden Hans Leip vielleicht noch kennen aber dem breiten Publikum dürfte nichts mit ihm anfangen können. Obwohl, ein Lied macht ihn bis heute unsterblich. Doch dazu später mehr. Lassen wir noch „Jan Himp und die kleine Brise“ sprechen:

„Haben Sie fein gemacht“

„Kyri Sandvoß hockte während der kurzen Überfahrt lässig auf der Bugspitze des Beibootes. Und wie immer war ihr Kopf vornweg gedreht, ihrer Jolle zu, als könne sie nicht abwarten, dort wieder an Bord zu sein. Zum ersten Mal, seit Jan Himp ihr Fährmann war – und das war er schon den ganzen vorigen Sommer gewesen –, wandte sie plötzlich das Gesicht ihm zu, und ihre dunklen Augen glitten sachlich schätzend von seinen nicht sehr neuen Segelschuhspitzen empor bis zum Buschelknopf seiner runden Wollmütze. Haben Sie fein gemacht!‘, sagte sie ruhig.“ So beginnt die Liebesgeschichte zwischen Jan Möller, dem blonden, handfest-stämmigen jungen Mann von der Bootsvermietung, den alle in Övelgönne als Jan Himp kennen, und Kyri Sandvoß, der Reederstochter, die er so zärtlich wie unbeholfen „die kleine Brise“ nennen wird.

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Hans Leip 

Über Lili Marleen

Abgesehen von wenigen Werken wie eben „Jan Himp und die kleine Brise“ sind Hans Leips Texte heute weitestgehend vergessen. Mit einer großen Ausnahme: Sein Gedicht „Lili Marleen“ wurde mit der Melodie von Norbert Schulze, gesungen von Lale Andersen und Marlene Dietrich, zum Welthit.

„Bei der Laterne woll’n wir stehn‘, wie einst Lili Marleen“ singt Dietrich darin mit ihrer unverkennbar tiefen und markanten Stimme. Das Lied wurde von vielen interpretiert, von Rainer Werner Fassbinder filmisch verarbeitet, bis heute kennt man es – nur Hans Leip geriet in Vergessenheit.

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Marlene Dietrich

Für John Steinbeck war es das „schönste Liebeslied aller Zeiten“, Winston Churchill dirigierte es in der Royal Albert Hall, und Hitler meinte, es werde „möglicherweise uns alle überdauern“. Tatsächlich wurde kein Lied des 20. Jahrhunderts in mehr Sprachen übersetzt als Lili Marleen. Der Soldatentröster von Hans Leip und Norbert Schultze über das Liebespaar unter der Laterne – er war der erste globale Popsong. Eingesetzt hatte der Ruhm 1941 im besetzten Jugoslawien, wo der Soldatensender Radio Belgrad die Schnulze zur Erkennungsmelodie erkor. Von da an spielten auch amerikanische und deutsche Propaganda-Sender Lili Marleen. Emmy Göring ließ ihre Tochter die Melodie summen, und die Piloten der Alliierten nannten ihre Flugzeuge sogar nach der Heldin des Lieds.

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Über Hans Leip

Hans Leip wurde 1893 in Hamburg Hohenfelde geboren. Seine Sehnsucht galt früh dem Wasser und Hafen. Deswegen gab er von den Berufen, die sein Vater ausgeübt hatte, am liebsten den des Schauermanns (Hafenarbeiter) an. Leip selbst hatte jedoch nur eine einzige direkte Berührung mit der Seefahrt: Als 17-jähriger Schüler fuhr er in den Ferien drei Wochen als Gehilfe des Schiffkochs auf einem Fischdampfer mit. Er wurde Lehrer und bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges eingezogen. Ein Sturz, der zu einem längeren Aufenthalt in Lazaretten und Krankenhäusern führte, befreite ihn Ende 1915 von seiner Militärpflicht. Den langen Aufenthalt nutzte er u.a. zum Schreiben des Gedichtes Lili Marleen, das aber erst 1937 veröffentlicht wurde.

Nach dem Krieg beendete Hans Leip seine Lehrertätigkeit und widmete sich ganz dem Malen, Zeichnen und vor allem der Schriftstellerei. Den ersten großen Erfolg erzielte er mit dem Roman „Godekes Knecht“.

In den letzten Kriegsjahren lebte Hans Leip in Tirol, kam nach dem Krieg nochmal nach Hamburg zurück, um seine Heimatstadt 1948 endgültig zu verlassen. In der Schweiz fand er seine letzte Heimat. Dort starb er am 6. Juni 1983, kurz vor seinem 90. Geburtstag.

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Dieser Beitrag erschien zuerst auf „Nordische Esskultur“

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