Tom Cunliffe: Kaminöfen an Bord

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Tom erklärt hier, warum er Kaminöfen an Bord so sehr liebt und wie er einen davon auf seiner Yacht installiert hat

 Seit unsere Urahnen von den Bäumen kamen, liebt jeder Kerl unserer Spezies es, ein echtes Feuer zu entzünden. Es ist wirklich ein urzeitliches Bedürfnis und auch für mich gibt es kaum etwas schöneres als einen richtigen Kaminofen. Er sieht toll aus, ist effektiv und leise. Das Geräusch von Warmluft-Heizungen ist aufdringlich, außerdem verbrauchen diese Heizungen Batteriestrom und wertvollen Diesel.   Hier nun also das Wesentliche darüber, wie meine Crew und ich uns in den hohen Breitengraden und an kühlen Sommerankerplätzen warm gehalten haben oder wir bei Dauerregen etwas Aufmunterung brauchen.

 

Meine erste Erfahrung mit einem Festbrennstoffofen auf See war auf einem Baltic Trader aus den 1920er Jahren, auf dem ich im Winter 1969/70 als Besatzungsmitglied fuhr. Die einzige Heizung an Bord befand sich in der Kajüte achtern, wo ich zufällig meine Koje hatte, eher durch Glück als durch Rang. Wir hatten einen einfachen Holzofen in der Ecke der Kajüte, der den Maat und mich warm und vor allem auch trocken hielt. Am Ende des Tages drängten sich alle in die Kajüte, weil es der einzige Ort auf dem Schiff war, an dem das Leben außerhalb eines Schlafsacks weitergehen konnte.

Tom Cunliffe: Kaminöfen an Bord - Literaturboot - Blog Der „Torgam“

Als ich mein erstes Fahrtenboot kaufte, einen norwegischen Lotsenkutter von 1903, war er mit einem Festbrennstoffkocher ausgestattet, der sogar in England hergestellt wurde – genauer gesagt in Stockport, meinem Geburtsort. Er hieß „Torgem“ und war der perfekte Ofen für kleine Yachten.

Tom Cunliffe: Kaminöfen an Bord - Literaturboot - Blog Der Morsø-Ofen

Zehn Jahre später, als ich auf einen 50-Fuß-Lotsenkutter aufgestiegen war, hatte ich einen Ofen im Salon installiert. Das war eine der besten Sachen, die ich je gemacht habe. Er hielt uns nicht nur einen langen New Yorker Winter hindurch warm, wir haben diesen Ofen auch den ganzen Weg über den Nordatlantik unter Bedingungen geheizt, die so grimmig waren, dass ich sie nicht einmal dem Polizisten wünschen würde, der mich vor einiger Zeit wegen zu schnellen Fahrens erwischt hat.

Das kleinere Boot kam aus Nova Scotia nach Hause und wurde ausschließlich mit Holz beheizt, das ich selbst gehackt hatte und das kostenlos war. Die spätere Version hatte eine halbe Tonne vorverpackter und rauchfreier Kohle der „Homefire“-Marke unter dem Cockpit. Sie schien nie auszugehen, und wir waren sehr dankbar dafür, als wir den Bugspriet auf das Eis vor Grönland richteten.

Tom Cunliffe: Kaminöfen an Bord - Literaturboot - Blog Unser aktueller Ofen, der „Faversham“

Leider ist der Torgem-Ofen nicht mehr erhältlich, also habe ich auf späteren Schiffen mit anderen Ofentypen experimentiert. Der luftdichte, „richtige“ Morsø Kaminofen auf meinem 40-Fuß-Gaffelkutter „Westernman“ war zu mächtig, aber der einfache „Faversham“ auf meinem derzeitigen Schiff, der Mason 44 „Constance“, ist perfekt für kühle, nordische Sommer und dem gelegentlichen Kampf mit dem Winter in England.

Wie haben Ros und ich also einen vollwertigen Kohleofen in eine moderne Kunststoffyacht von 37 Fuß Wasserlinienlänge eingebaut, und was ist mit dem Brennstoff?

 

Wo ist die beste Stelle für den Ofen?

Einen Platz dafür zu finden war einfach, denn „Constanze“ hatte einen größeren Schrank am vorderen Ende ihres Salons, der eine massive Klimaanlage enthielt. Wir hatten das Schiff in Florida gekauft, aber jetzt brauchten wir diese Kühlung nicht mehr, also kam sie raus. Wir ließen uns von einer lokalen Werft stattdessen eine Kaminecke mit Kacheln bauen, die den kleinen Faversham-Ofen aufnehmen sollte. Die Vorgabe war, dass er so aussehen sollte, als wäre er schon immer da gewesen. Das tut er auch. Eine großartige Arbeit, und wir hatten auch Glück mit dem Schornstein. Mehr oder weniger über dem Schornstein befand sich ein Dorade-Lüfter mit einem schönen Teakholzkasten an Deck. Dieser sitzt unter einem kleinen Teakholzsitz auf den Nirostützen seitlich vom Mast, so dass er gut geschützt ist. Ich kann mich nicht an Probleme mit Leuten oder Schoten erinnern, die den Schornstein umgerissen hätten.

Tom Cunliffe: Kaminöfen an Bord - Literaturboot - Blog

Ros passt eine Attrappe des Schornsteins an

Ich benutzte das ursprüngliche Lüftungsloch im Deck, um den Rauchabzug nach oben zu führen, und bohrte es dafür ein wenig auf. Dann drehte ich den an Deck befindlichen Dorade-Kasten um 180º, so dass das obere Loch, das ursprünglich die Lüfterhutze für das Dorade-System trug, nun direkt über dem darunter befindlichen Loch war – normalerweise befinden sich die beiden Löcher ja an entgegengesetzten Ende des Kastens, damit zwar Luft, aber eben kein an Deck kommendes Wasser hindurch kommt. Ein Geniestreich von Rod Stevens, den er sich für die von seinem Bruder Olin entworfene Yacht „Dorade“ ausgedacht hatte. Jedenfalls, ich erhielt so ein durchgehendes Loch, um das Abgasrohr aufzunehmen. Ein guter Edelstahlschweißer, der keine Yachtpreise verlangte, fertigte mir ein Platte an, um die Oberseite des Kastens mit einem Flansch abzudecken und den Schornsteintopf von Charley Noble aufzunehmen. Ein anderer Hersteller zauberte einen Schornstein nach einem Entwurf, den ich schon seit Jahren habe und von dem ich weiß, dass er unter allen Bedingungen funktioniert. Ich besorgte mir noch einige schöne Edelstahlrohre mit einem ausgezeichneten vorgefertigten Biegesystem, aus dem ich ein Abgasrohr herstellen konnte, und das war’s.

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Ofen festschrauben, Rauchabzug anschließen und „Job done“. Ofen öffnen, etwas zerknülltes Papier und Anzündholz mit ein paar Stücken Kohle oben drauf hinein. Warten, bis es brennt, dann Kohle nachschütten. Wenn alles gut und heiß ist, Luftzufuhr herunterregeln, zurück lehnen und sich die Zehen rösten lassen…

Qualität der Wärme

Lassen Sie sich nicht einreden, dass Wärme nur eine Frage der Hitze ist. Es geht um mehr als das. Eine Gebläseheizung erwärmt das Boot, aber sie trocknet es nicht aus wie ein Festbrennstoffofen, denn das Feuer zieht feuchte Luft an und wirft sie aus dem Schornstein heraus. OK, sie muss diese Luft von irgendwoher ersetzen, aber das, was an frischer Luft ins Schiff kommt, ist viel trockener und außerdem – frisch. Ed Burnett, dieser inspirierte junge Designer, der tragischerweise nicht mehr unter uns weilt, beschrieb die Hitze, die ein Kaminofen abgibt, einmal als „Thick Heat“. Damit, finde ich, hat er es auf den Punkt gebracht.

 

Brennstoff

Die Zeiten sind vorbei, in denen ich mit einer halben Tonne rauchfreiem Brennstoff nach Grönland gefahren bin. Alles, was ich jetzt brauche, ist genug Heizstoff für einen unbeständigen Sommer. Wenn ich im Winter an Bord leben würde, könnte ich ab und zu an Land Nachschub holen, also auch kein Problem. Dies brauche ich für eine dreimonatige Vollzeit-Saison an Bord:

Mein Ofen kann Holz verbrennen, aber um ehrlich zu sein, ist er dafür etwas zu klein, also greife ich zu „Homefire“ oder einem anderen wiederhergestellten Anthrazit. Ich kaufe es im Frühjahr von meinem örtlichen Händler, aber ich kann es auch an den meisten Tankstellen bekommen. Zu Hause wird es in großen Plastikbeuteln geliefert. Diese werden geöffnet und der Inhalt in eine Reihe von sauberen Zip-Up-Beuteln entleert, die ich für wenig Geld im Baumarkt kaufe. Alle staubigen Kleinigkeiten werden weggeworfen. Meine Beutel fassen jeweils etwa fünf Kilo. Ein Beutel reicht, um ein paar Tage lang zu heizen, wenn ich den Ofen nachts ausgehen lasse. Sie sind leicht zu handhaben und sauber zu verstauen. Da die Beutel nicht randvoll sind, bleiben sie sozusagen biegsam, so dass ich sie überall auf dem Schiff verteilen kann. Das verteilt das Gewicht gleichmäßig und bedeutet außerdem, dass es irgendwo immer noch einen gibt, den ich vergessen habe, wenn die Brennstoffvorräte etwas dünn werden.

Wenn es passt, kippe ich die Asche über die Seite. Wenn nicht, lasse ich sie abkühlen, dann fege ich sie in einen „Poly“-Beutel und stopfe sie in den Restmüll. Wenn ich fertig bin, sauge ich den Kamin kurz mit meinem wiederaufladbaren Dyson ab und das war’s. Blitzsauber.

 

Rauch oder Abgase unter Deck

Dazu kommt es eigentlich nur in den folgenden Fällen:

– Beim ersten Anzünden des Feuers. Wenn der Schornstein noch sehr kalt ist, kann es zu Rückblasen kommen. Es hilft, wenn Sie das Ofenrohr mit einem Fön erwärmen oder einfach ein Blatt Zeitungspapier in im Ofen anzünden, um alles etwas anzuwärmen.

– Auf einigen Kursen leitet das Großsegel Ab- oder Fallwinde in den Schornstein, der den sauberen Luftstrom stört. Dies kann ein vorübergehendes Zurückblasen verursachen. Nicht schön, aber glücklicherweise sehr selten. Fügen Sie einfach einen CO-Detektor hinzu und die Sache ist erledigt!

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Der Schornstein unter dem Mastbügel

Feuersicher

In all den Jahren hatte ich nur ein einziges unbeabsichtigtes Feuer. Auf meinem größeren Gaffelkutter hatte ich den Schornstein innen zu nahe an der Schottwand montiert, die daraufhin sehr heiß wurde. Das daraus resultierende brennende Gefühl wurde zum Glück schnell beseitigt und das Rohr anschließend neu verlegt. Davon abgesehen sind keine schlimmen Dinge passiert. Das Anzünden des Ofens auf See kann ein Problem sein, aber das wird dadurch gemildert, wenn man auf einen Toplader wie dem Faversham verwendet. Die „Vordertür“ wird nur benutzt, um das Feuer im Hafen optisch zu genießen. Im Inneren befinden sich mehrere Stäbe, um die heißen Kohlen drinnen zu halten. Die Torgem und die Morso Öfen sind zwar „Frontlader“, aber wenn man sicherstellt, dass die Tür nach achtern und nicht nach querschiffs zeigt, wird die Chance, dass das Feuer hinausfällt, sehr minimert.

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Schornstein

– Der Schornstein und der Zapfen auf der Platte sollten so robust wie möglich sein.

– Der Innendurchmesser des Schornsteinrohrs muss genau über den Außendurchmesser des Zapfens in der Deckplatte passen. Dimensionieren Sie entsprechend.

– Führen Sie das innere Abgasrohr des Ofens durch den Stutzen nach oben, so dass es weit oben im Schornstein endet. Dadurch entsteht eine Art Doppelwand in der kalten Luft und die Kondensation im Rohr wird minimiert.

– Achten Sie darauf, dass die Gesamtfläche des Spalts zwischen der Unterseite des „Huts“ und dem Schornsteinrohr gleich der Querschnittsfläche des Hauptschornsteinrohrs ist. Dimensionieren Sie entsprechend.

– Lassen Sie einen vernünftigen Spalt zwischen der Oberseite des „Hutes“ und dem oberen Ende des Schornsteinrohrs. Dieser ist idealerweise mindestens so groß wie der Spalt zwischen Hut und Rohr.

– Löcher oder vertikale Schlitze von etwa 15 mm Durchmesser in den Seiten der Kappe unterhalb der Überlappung mit dem Hauptschornsteinrohr unterstützen den Luftstrom.

– Die Kappe wird mit Laschen gesichert, oder wie es am besten funktioniert.

– Ich sichere den Schornstein am Zapfen mit einer Schraube, die in das untere Ende des Schornsteinrohrs geschraubt wird. Eine aufgeschweißte Mutter mit einem passenden Loch dahinter leistet hier gute Dienste.

– Auf der „Constance“ beträgt die Gesamthöhe des Schornsteins von der Unterseite des Rohrs bis zur Oberseite des Huts 38 Zentimeter. Dies ist für mich wichtig, weil der Schornstein damit unter den Sitz der Nirostützen neben dem Mast passt. Ansonsten ist die exakte Länge eher unwichtig, etwas mehr kann nie schaden.

 

Hier geht es zu Tom’s Buch „Profiwissen für Segler“

Hier geht es zu weiteren Büchern von Tom Cunliffe

Hier geht es zur englischen Webseite von Tom Cunliffe 

© Tom Cunliffe 2020

 

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