Kir statt Bier

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Der Kir ist der für mich beste Sommerdrink. An Bord oder auf der Pier. Immer kühl und frisch. 

Der Mensch lebt nicht vom Boot allein, nach einem erfüllten Tag gerade auf dem Wasser gehört für mich ein guter Drink ganz einfach dazu. Die salzige Seeluft macht ja nicht bloß hungrig, sondern vor allem ganz besonders durstig. Aber was, wenn der Griff in die Bordbar zur Katastrophe wird, weil der Weißwein fade oder säuerlich schmeckt?

Zum Glück gibt es für alles eine Lösung. Diese hier heit „Kir“. Erfunden hat diesen Aperitif der Bürgermeister von Dijon, Canon Kir (im Amt von 1945 bis 1968), ebenfalls aus einer Not heraus. Weil ihm die lokalen Weißweine zu spröde waren, verfeinerte er sie mit einem Schuss Crème de Cassis, schwarzem Johannisbeerlikör, und erhob diesen Drink zum offiziellen Aperitif im Rathaus. Ja! So etwas gibt es in Frankreich…

Aus der Not wird eine Tugend…

Am besten kommt der Kir mit einem kühlen Côte de Beaune zur Geltung, aber im besagten Notfall tut es jeder Weiße, sofern er einigermaßen kalt und nicht zu süß ist. Die Flasche Crème de Cassis gehört jedenfalls immer in mein Bordgepäck, falls ich mal als Gast auf einer fremden Yacht segele. Nur für den Fall, dass…

Schon seit den beschwingten 1980er Jahren ist der Kir europaweit ein Modegetränk; in Deutschland wurde er damals vor allem durch die TV-Klamaukserie „Kir Royal“ bekannt. Das allein könnte einem die Sache schon wieder suspekt werden lassen, würden als Kir nicht sogar auch mäßige Grau- oder Weißburgunder wieder trinkbar. Und in Frankreich ist der Kir sowieso so normal, wie hierzulande das Bier. Dorthin muss ich den Crème de Cassis also auch nicht mitschleppen.

In einem irrte Canon Kir übrigens. Oder die im Rathaus ausgeschenkten Weißweine waren wirklich sauer. Die offizielle Rezeptur schreibt einen Teil Crème de Cassis auf zwei Teile Wein vor. Das Resultat daraus ist so verzuckert, dass es einem die Zunge am Gaumen festleimt. Besser ist ein Mischungsverhältnis von eins zu fünf, aber alle Variationen dazwischen, je nach persönlichem Geschmack und verwendetem Wein, sind natürlich auch „au quai“ (OK). Die einfache Faustregel lautet: Je besser der Wein, desto heller sollte der Kir sein.

Champagner immer lieber pur

Wirklich guten Wein trinke ich dagegen ausschließlich pur. Der ziemlich snobistische Kir Royal ist, vor allem angesichts des eingangs Gesagten, geradezu eine Beleidigung der Kellermeister in Reims, Épernay und Umgebung. Mäßiger Weißwein wird mit Kir veredelt. Aber selbst mäßiger Champagner hat es verdient, unverfälscht genossen zu werden. Und sei es auch nur, wie ich ihn bevorzuge: In kleinen Dosierungen zum Frühstück. Sonst könnte man ja gleich Champagnersuppe trinken. Eine Rezeptur für Banausen: Flaschenweise Champagner mit Cointreau und Limonensaft in einem vorzugsweise silbernen Bottich von großem Fassungsvermögen vermischen. Mon Dieu!

Anders verhält es sich mit der lokalen Variationen, des Kir Breton (Cidre statt Weißwein). Oder mit dem Kir Impérial (Himbeerlikör statt Crème de Cassis). Und falls der nächste zivilisierte Hafen noch sehr weit entfernt und die Bordbar besonders ernüchternd bestückt ist, kann man den Kir durchaus auch einmal mit Rotwein trinken. Das allerdings ist dann schon eine relativ heikle Geschmacksfrage, die ich hier nicht weiter diskutieren möchte. Nur dies: Fast alles ist möglich, solange die Einstellung stimmt. Lieber demütig Wein, als hochmütig Wasser trinken. Das taugt als Aperitif ohnehin nichts – ganz gleich, wie sehr wir diesem Medium ansonsten auch verbunden sind.

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