Helgoland

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Schmuggler und Spione, Festung und Ferienparadies. Ich bin schon immer gerne nach Helgoland gesegelt, aber wenn ich das nächste Mal dorthin komme, werde ich den „roten Fuselfelsen“ in der Nordsee noch einmal mit anderen Augen betrachten und dann auch wissen, woher beispielsweise die bis heute gültige Zoll- und Steuerfreiheit eigentlich wirklich kommt. Dieses Geschichtsbuch liest sich fast so spannend wie mancher Roman. Für alle Helgoland-Segler ist es natürlich hochinteressant, um diese Insel nach der Lektüre einfach viel besser zu verstehen, aber auch für alle anderen Inselbesucher und selbst für die, denen dieser Felsen in der Nordsee im Grunde egal ist – denn an diesem kleinen Eiland erzählt der Historiker Jan Rüger nicht nur die faszinierende jüngere Inselgeschichte der letzten rund 200 Jahre, sondern überhaupt die Historie des durchaus vielschichtigen, deutsch-englischen Verhältnisses in Zeiten von Napoleon bis heute. Durchaus aktuell in Zeiten des bevorstehenden Brexit.

Im Zentrum all des turbulenten Geschehens stehen die Insulaner selbst, denen die große Politik auf ihrer kleinen Insel freilich auch ziemlich gleichgültig schien, solange sie nur ihre eigene Unabhängigkeit, ihr eigenes Überleben sichern konnten. Nicht immer einfach, wenn die Insel mal das Interesse der einen, mal die Begehrlichkeiten der anderen Großmacht weckt. Denn im Grunde war es ihnen gleich, welche Kolonialmacht gerade seine Flagge über dem Felsen wehen ließ, immer versuchten die eigenständigen Insulaner die für sich selbst besten Bedingungen zu verhandeln. Das gelang mal besser, mal weniger. In jedem Fall aber ist es immer spannend zu lesen, denn auch dies ist eine Stärke dieses Buches: Dass hier das Große und Ganze auch immer in Relation gesetzt wird zu den Geschehnissen und zum Alltag auf dem kleinen Felsen.

Lebendig und gut verständlich geschrieben, Detailreich aber nicht langweilend, das soll schon etwas heißen. Eine durchaus empfehlenswerte Lektüre also. Nicht nur, aber bestimmt vor allem auch dann, sollte man im Hafen von Helgoland einmal tagelang eingeweht bleiben…!


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Helgoland - Literaturboot - Buchkritiken, Empfehlung

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