Cannes geht auf Tauchstation

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Die versenkten Skulpturen des Künstlers Jason deCaires Taylor: Ein Unterwasser-Museum für Cannes, vor der Insel Sainte-Marguerite

Nur einige Dutzend Meter vom Ufer der Insel Sainte-Marguerite, der größeren der beiden Iles des Lérins, wurden Ende Januar einige Skulpturen versenkt. Wer hier in der Gegend segelt, kennt die Inseln vor allem als beliebten Ankerplatz für eine Badepause, oder als Ausflugsziel für ein romantisches Picknick unter Pinien. Nun also existiert hier auch noch ein Unterwasser-Museum, das man schon beim Schnorcheln bestens erkunden kann. Sechs Statuen sind es insgesamt, gefertigt aus, wie es heißt, ökologischem Material, die nicht nur menschliche Besucher anlocken sollen. Auch die natürliche Fauna und Flora soll sich hier allmählich wieder regenerieren.

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Beim „versenken“ der Skulpturen

Angeschoben wurde das Projekt vor allem durch David Lisnard, Bürgermeister von Cannes, der schon zuvor ein großer Fan der Arbeiten des englischen Künstlers gewesen sein soll. Bei der Einweihung Ende Januar geriet er ins Schwärmen: „Das Unterwasser-Ökomuseum in Cannes, das Schönheit und Lernen miteinander verbindet, symbolisiert meine Verbundenheit mit zwei grundlegenden Werten: kulturelle Notwendigkeit und Erhaltung der Umwelt. Die Arbeit von Jason deCaires Taylor ist stark, künstlerisch und ökologisch, untergetaucht in einer wertvollen Umgebung, wo der Meeresboden restauriert wurde und nun geschützt ist. Im Jahr 2015 haben mich die Bilder seiner Arbeit in Mexiko beeindruckt. Sie waren kraftvoll und traumhaft, mit einer echten ökologischen Dimension. Die Installation dieser Skulpturen in Cannes schafft nun einen vergrößerten, sicheren Schwimmbereich, eine wunderbare Umgebung, um das Unterwasserleben zu entdecken. Das Wasser ist klar, der Meeresboden sandig, und die Statuen können nun ihre Rolle als Heimat für Fauna und Flora spielen. Das Verankern von Booten ist hier untersagt.“

Begeistert von der Idee von David Lisnard, der dem Bildhauer vorgeschlagen hatte, sein erstes Unterwasser-Ökomuseum in Frankreich und im Mittelmeer in Cannes zu errichten, schuf Jason deCaires Taylor, dessen gesellschaftlicher und ökologischer Ansatz in der ganzen Welt bekannt ist, ein brandneues Werk für die Stadt, inspiriert vom Thema der Maske.

Mit einer Höhe von zwei Metern und einem Gewicht von jeweils etwa zehn Tonnen wurden die sechs Statuen, aus denen das Museum besteht, aus ökologischem Meeresmaterial mit neutralem pH-Wert hergestellt, das einen Zufluchtsort für Unterwasserleben bietet. In einer Entfernung von 84 bis 132 Metern vom Ufer in einer Tiefe von drei bis fünf Metern versenkt, sind die Skulpturen für die meisten Taucher mit einer einfachen Maske und Schnorchel zugänglich. Das gemeinsam vom Bürgermeister von Cannes und dem Künstler gewählte Thema erinnert an den geheimnisvollen „Mann mit der eisernen Maske“, der elf Jahre lang auf der Insel gefangen gehalten wurde, und ist auch eine Hommage an die „7. Kunst“ (Kino), für die Cannes ein wichtiger Veranstaltungsort ist.

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Die Wahl für den Standort der sechs Skulpturen fiel auf einen stark durch menschliche Aktivitäten beeinträchtigten Ort. Eine Tauchausrüstung ist nicht erforderlich um die Skulpturen zu sehen, da eine einfache Maske und ein Schnorchel ausreichen. Der Zugang ist frei und sicher dank eines Verbots, dort zu ankern. Der Schwimmbereich (Ankern verboten), in dem die Skulpturen aufgestellt sind, wurde vervierfacht und auf 29.000 m2 erweitert, was einen landschaftlichen und ökologischen Mehrwert für dieses als Natura 2000 klassifizierte Gebiet darstellt. Das ökologische Unterwassermuseum steht im Einklang mit den Fischerei- und Tauchaktivitäten und bietet geeignete Lebensräume für die Tier- und Pflanzenarten, die hinter der Klassifizierung des Gebietes stehen. Die Entstehung des Projekts unterliegt auch einer regelmäßigen ökologischen Überwachung des Unterwasser-Ökosystems des Archipels der Lérins-Inseln. Es bietet einen besonderen Ort, um die sich entwickelnde Meeresbiodiversität zu beobachten, was dem Wunsch des Stadtrats entspricht, diesen natürlichen Raum zu schützen, der im Oktober 2019 in Zusammenarbeit mit ENEDIS vollständig gesäubert wurde.

Das Thema der Masken, das gemeinsam mit der Stadt Cannes gewählt wurde, ist ein Echo auf die Geschichte und das kulturelle Erbe der Stadt und bezieht sich auf den „Mann mit der eisernen Maske“, den berühmten Gefangenen, der von 1687 bis 1698 im Staatsgefängnis auf der Insel Sainte-Marguerite eingesperrt war. Als ikonische Figur der lokalen Geschichte ist die Eiserne Maske auch ein international anerkanntes Symbol, das seit dem 18. Jahrhundert beschworen wird, um die Willkür der absoluten Macht anzuprangern. Außerdem schwingt in diesem Thema die 7. Kunst mit, deren Welthauptstadt Cannes mit den Filmfestspielen von Cannes ist, die untrennbar mit der Geschichte der Stadt verbunden sind, sowie das Projekt zur Schaffung des kreativen Wirtschaftssektors „Cannes on air“. Die Skulpturen werden sich im Laufe der Zeit entwickeln, mit Algen, Muscheln und Korallen bedeckt werden und so einen integralen Bestandteil des lokalen marinen Ökosystems bilden, da ihre raue Textur und ihre Ecken und Ritzen der Meeresflora und -fauna erlauben, dort Zuflucht zu finden und zu gedeihen.

 

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