Steuerfrei segeln mit Windsteueranlagen

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Windsteueranlagen sind romantisch und praktisch. Und durchaus auch sehr gut für das Tagessegeln entlang der Küsten geeignet.

Wie eine Fahne im Wind – das ist keine besonders schmeichelhafte Charakterisierung, steht es doch eher für Opportunisten und Mitläufer, die schnell mal ihre Meinung komplett ändern – wenn sich der Wind dreht. Das kann aber auch sehr nützlich sein, wenn es um eine Windfahne geht. Genauer, das Windpaddel einer Selbststeueranlage. Welches dafür sorgt, dass ein Boot immer im gleichen Winkel zum Wind segelt. Wie von Geisterhand gesteuert, tagein, tagaus. Wenn es denn sein soll auch einmal quer über den nächsten Ozean.

Dabei wurden Windsteueranlagen ursprünglich nicht für den großen, sondern eher für den kleinen Teich entwickelt – für Modellyachten. Das war Anfang der 1930er Jahre, erst 1955 tauchten die ersten, noch wenig wirksamen Windsteueranlagen auf ausgewachsenen Yachten auf. Als „Vater“ der modernen Systeme gilt der im besten Sinne wahnsinnige englische Seemann und Segler, Herbert „Blondie“ Hasler. Der segelte Hochseerennen mit dem Schärenkreuzer „Tre Sang“, der sich im Seegang jedoch eher wie ein U-Boot aufführte. Und begründete das OSTAR, das „Observer Single-Handed Transatlantic Race“ (benannt nach der sponsorenden Tageszeitung, The Observer). Das segelte er mehrmals mit einem stark modifiziertem Folkeboot, welches ein Dschunkenrigg und eine von ihm entwickelte Selbststeueranlage hatte.

Schon seit 1953 tüftelte Blondie an der perfekten Selbststeueranlage. Seine praktischen Erfahrungen während vier Atlantiküberquerungen in der ersten Hälfte der 1960er Jahre halfen natürlich enorm – sein Folkeboot hat er jedenfalls, so wird berichtet, von den dabei insgesamt zurückgelegten 12.000 Seemeilen nur für 50 Meilen per Hand gesteuert.

Haslers praktische Entwicklungsarbeit war wegbereitend für die nächsten Hochseerekorde – und für Generationen von Langfahrtseglern. Chichester hätte seine Weltumsegelung ohne Selbststeuer vergessen können, Moitessier seine „longue route“ sicher nicht gefahren, wäre er ständig ans Ruder seiner „Joshua“ gefesselt gewesen, und auch das „Golden Globe Race“ wäre ohne die von Blondie immer weiter entwickelten Steuergeräte nicht möglich gewesen.

Seither signalisierte eine Windfahne am Heck von vorzugsweise leicht herunter gekommenen, vom starken Dauereinsatz gezeichneten Yachten: Ich bin ein echter Ozeansegler! Ich komme geradewegs von Kap Horn. Oder aus Tahiti. Oder woher auch immer, auf jeden Fall nicht vom anderen Ufer der Kieler Förde. Ein Statussymbol der besonderen Art…

Seit Blondies Zeiten haben sich noch viele andere mit der Verfeinerung von Windsteuerungen befasst. Nick Franklin mit seiner „Aries“, Peter Förthmann mit seiner „Windpilot“, und etliche mehr. Die Anlagen wurden robuster, leichter, einfacher zu bedienen. Und damit auch Küstentauglich.

Auch beim Daysailing in Landsicht habe ich gerne die Hände frei. Damit ich unterwegs kochen kann, lesen, navigieren, Bilder machen, was auch immer, während mein Schiff von seiner Windfahne auf Kurs gehalten wird, und sei es nur für eine halbe Stunde oder noch weniger. Übrigens – unter schwierigen Bedingungen steuern gut eingestellte Windfahnen oft besser und zuverlässiger, als so manche menschliche Hand.

Autopilot? Verbraucht viel Strom, macht Lärm, schert sich nicht um Wind und Wellen, sondern hält stur Kompasskurs. Die Option fürs Motoren bei Flaute und glatter See.

Dann kommt natürlich das eingangs erwähnte „Erbe“ hinzu. Solch eine Windsteueranlage ist nicht nur ungeheuer praktisch, sondern auch sehr romantisch. Man muss nur damit umgehen können. Das haben wir schon als Teenager gelernt: Was nützt dir die sturmfreie Bude, wenn du nicht weißt, woher der Wind weht?

 

Ariesvanegear.com

www.beau-fort.com

Hydrovane.com

sailomat.com

scanmarinternational.com

windvaneselfsteering.com

windpilot.com

 

Buchtipp:

Das Standardwerk zum Thema findet sich als pdf download hier. Es wurde verfasst von Peter Förthmann, dem Erfinder und Hersteller der Windpilot Anlagen, ist aber allgemein anerkannt als wirklich umfassendes, vor allem auch Produktunabhängiges und sehr informatives Buch über die Geschichte, die Funktionsweise und die verschiedenen Systeme von Windsteueranlagen. In englischer Sprache und hier uneingeschränkt empfohlen.

…und das nicht, weil es in Peter Förthmanns Blog auch einen lustigen, launigen Text über mich selbst gibt!

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