Da geht noch Watt

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Eine Rezension von Andreas Schiebel (lebt auf seinem Boot: http://slisand.blogspot.com)

Die Nordseeküste mit ihren vielen Inseln und Halligen sind ein Sehnsuchtsziel vieler deutscher Urlauber und natürlich besonders auch der Segler. Aber nur die wenigisten wagen sich in dieses Labyrinth von Prielen und Sielen, den Watten und trockenfallenden Häfen in Friesland. Und genauso viele Vorurteile gibt es deswegen auch über diese Nordseeküste.

Maximilian Lessner entscheidet sich mit seiner kleinen „Nonsuch“, einem acht-Meter Kielboot, einige dieser Vorurteile abzuarbeiten und segelt von der Ostsee über die Eider in die Nordsee.

Anhand von 18 Kapiteln, benannt eben nach den erwähnten Vorurteilen wie: „Die Häfen an der Nordsee sehen doch alle gleich aus“, oder „Die Wattfahrwasser sind für Segler nicht geeignet“ erzählt er von seiner Sommerreise zu den Inseln Sylt, Föhr, Amrum, Hooge und Pellworm in Nordfriesland, sowie nach Helgoland und zu den Ostfriesischen Inseln.

Dabei findet er sogar Eilande, die in keinem Revierführer stehen. Vielmehr sind es die Einheimischen, die ihm solche Tipps verraten. Zum Beispiel Oland, östlich von Föhr. Dorthin muss er mit Google Maps und den Satellitenbildern navigieren, denn im Irrgarten der Pricken verirrt er sich trotz neuer Karten. Doch ein einsamer Hafen umgeben von Salzwiesen und einer beeindruckenden Tierwelt sind mehr als angemessener Lohn der Mühe.

So wird Maximilian Lessner zu einem echten Entdecker. Nicht nur neue Inseln, auch eine für ihn ganz neue Art und einen ganz neuen Reiz des Segelns entdeckt er in diesem wunderbaren Revier. Denn dort muss der Segler – wie es eigentlich ganz normal ist, bei vielen aber in Vergessenheit geraten ist – auch schon mal eine Woche auf bessere zeiten, oder genauer auf beseres Wetter warten, bevor es weiter geht. In dieser Zeit kann man sich natürlich ärgern. Oder, sehr viel besser, sich an der Natur und den freundlichen Menschen auf den Inseln und Halligen erfreuen. Denn dies ist, für den Autor jedenfalls, die (Wieder)Entdeckung der Langsamkeit. Und erst damit dann auch den wirklichen Zauber der Natur im Wattenmeer, den man wirklich nur vom Boot aus erleben kann.

Fazit: Dies ist ein lebendiges Buch, voller kleiner Abenteuer und netter Begegnungen. Ein Buch zum Träumen von einsamen Inseln, die doch so dicht vor unserer Haustür liegen, mit kleinen, trockenfallenden Häfen und netten und hilfsbereiten Inselnbewohnern. Dabei gibt der Autor auch einige Tipps zum Revier und nimmt die Angst, mit dem Kiel im Schlick. Stecken zu bleiben. Geschickt macht er dem Leser Mut, sich dieses wenig überlaufene Revier einmal selber zu ersegeln. Und natürlich sind am Ende die meisten Vorurteile entkräftigt.


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