Der Hydrograf

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on pinterest
Share on whatsapp
Share on email

Dies ist ein rätselhaftes Buch, mit einer eigenartigen Stimmung und trotz undramatischer, klarer Sprache fesselnd. Ein, ja, wie ich es empfunden habe höchst beklemmendes Leben wird hier ungerührt, fast schön kühl berichtet: Der junge Hydrograf, der sich im Jahre 1913 in Hamburg auf einem Segelschiff nach Valparaiso einschifft, ist ein Opfer seiner Herkunft und Sozialisation. Eine traurige und tragische Gestalt. Ebenso, wie die anderen Passagiere an Bord: Ein kleinbürgerlicher und faschistoider Salpeterhändler und ein undurchsichtiger Gymnasiallehrer mit einem widerlichen Geheimnis, das alsbald gelüftet wird. Dann kommt noch eine ebenso geheimnisvolle Tänzerin an Bord und die Phantasien und Gefühle der drei merkwürdigen Herren geraten alsbald außer Rand und Band. Ein kleines Kammerspiel auf See, sozusagen, psychologisch dicht gewebt, das einen durchaus in seinen Bann zieht und das auch noch ein wenig in den Gedanken nachwirkt.

Rätselhaft finde ich dieses Buch, weil ich gar nicht genau sagen kann, was das Faszinierende daran ist. Es bleibt im Grunde undramatisch, es birgt keine wirklich großen Überraschungen, die Faszination, die das Verruchte, Verdorbene und auch durch und durch abscheulich Böse gerade auf kleinmütige Spießerseelen ausübt, ist ja auch nicht wirklich unbekannt. Trotzdem ist das Buch gut lesbar, man bleibt gespannt dabei bis zum Ende – auch das allerdings nicht wirklich überraschend: Der tragische, traurige „Held“, der vor allem auf der Flucht vor seinem öden Leben an Bord ist, wandelt sich unterwegs tatsächlich. Mit einem ebenso tragischen und traurigen Ende, aber das ist ja nur folgerichtig.

Der Roman ist preisgekrönt und war in den Niederlanden, seinem Ursprungsland, ein Bestseller. Ja, es lebt von der Stimmung und der Schicksale und ja, daher kann man es auch gut und flott lesen. Trotzdem: Mich lässt das Buch eher ratlos zurück. Weil mich am Ende das Schicksal der handelnden, oder vielleicht auch eher getriebenen, Personen eben doch eher kalt lässt.


Jetzt bestellen bei bucher.de
http://www.buecher.de/shop/hamburg/der-hydrograf/schroeder-allard/products_products/detail/prod_id/44818565/

Kennen Sie jemanden, der das gern lesen würde? Hier klicken und teilen:

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on pinterest
Share on whatsapp
Share on email

Das interessiert Sie vielleicht auch

Im Sturm

Ich habe nicht vor, jemals noch einmal in einen schweren Sturm zu geraten, ich glaube, ich habe meinen Anteil daran (üb)erlebt. Da ich aber schon vorhabe, noch weiter zu segeln, lässt sich das leider auch nicht ganz ausschließen. Dennoch ist

Brel. Der Mann, der eine Insel war

Warum ist dieses Buch über das Leben des berühmten Sängers (und weniger berühmten Schauspielers) Jacques Brel so bewegend? Weil man beim Lesen spürt dass man verdammt noch mal sein Leben zu leben hat – und zwar aus dem Vollen, mit

Falcon. Eine Segelreise im Jahre 1887

Dies ist der lesenswerte Bericht über einen Segeltörn in einem umgebauten Rettungsboot von London nach Kopenhagen. Im Jahr 1887. Das englische Original, ursprünglich erschienen 1889, hieß „The Falcon on the Baltic“. Die vorliegende deutsche Ausgabe, leider nur noch antiquarisch erhältlich

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Digitale Empfehlungen

Ehrliche Empfehlungen

und zwar unabhängig von Werbung oder sonstigen Gefälligkeiten. Damit das so bleibt brauchen wir Hilfe.