Die Wächter von Marstrand

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on pinterest
Share on whatsapp
Share on email

Spaziergänger entdecken im Moor von Klöverö eine weibliche Leiche mit einem toten Säugling im Arm. Kommissarin Karin Adler wird hinzu gerufen. Für die Gerichtsmedizin ist die Sache klar: Die Moorleichen liegen schon eine halbe Ewigkeit dort. Die Akte wird daraufhin geschlossen. Doch einige Tage später wirft ein weiterer Todesfall neue Fragen auf: Eine Frau auf einem nahe gelegenen Gutshof wird tot aufgefunden. Nur ein Zufall? Oder haben die beiden Toten eine gemeinsame Geschichte? Der Fall lässt Kommissarin Adler nicht mehr los, denn sie vermutet mehr dahinter. Bei ihren Ermittlungen stößt sie bald auf ein tief bewegendes Frauenschicksal – die Spur führt zurück bis ins 18. Jahrhundert, in eine Zeit der Seeräuber, Schmuggler und Mörder im Freihafen von Marstrand.

Dazu Ann Rosman im Literaturboot-Interview (hier in voller Länge): Marstrand war von 1775 bis 1794 eine freie Stadt und Zoll- und Steuerfrei, damals gab es hier auch Piraten aber das ist ein vergessenes Kapitel in der schwedischen Geschichte. Es waren Freibeuter, sie hatten Kaperbriefe vom schwedischen König, sie durften jedes Schiff angreifen und aufbringen, welches nicht zu einer mit Schweden befreundeten Nation gehörte. Sie brachten ihre Prisen hierher nach Marstrand, die Mannschaften kamen in die Festung Carlsten, die Ladung und die Schiffe wurden verkauft. Eine alte Dame aus dem Heimatverein war auf Klåverön geboren und aufgewachsen und als ich sie auf das Thema ansprach wurde sie sehr streng und meinte: Darüber spricht man besser nicht! Wie bitte, sagte ich und dann taute sie nach und nach auf und schließlich zeigte sie mir diese Münzen hier (Ann lässt sie auf den Tisch rollen), die älteste ist von 1724. Sie hatte sie im Schotter vor ihrem Haus gefunden, als junges Mädchen, und dann herausgefunden dass die Schwester einer der Piraten in eben diesem Haus gewohnt hatte. Stell dir das vor! Vielleicht haben sie nachts vor dem Haus schnell ihre Beute geteilt, schnell, schnell, bevor einer der Zöllner oder Soldaten des Königs kam, und in der Dunkelheit sind ein paar Münzen auf die Erde gefallen und weg gerollt – hier wird Geschichte lebendig! Stell dir nur einmal vor, in welchen Taschen diese Münzen schon geklimpert haben! Der alte Pirat starb als sehr reicher Mann im Jahr 1854, aber er hatte wohl auch ein schlechtes Gewissen denn in seinen späten Jahren stiftete er der Kirche sehr viel Geld. Aber darüber erfahren die Kinder nichts, wenn sie in der Schule ihren Geschichtsunterricht haben…

Die Geschichte aus dieser Zeit von Marstrand ist sehr interessant – es war eine freie Stadt, wenn man vom Festland herüber wollte, brauchte man einen Pass. Schiffe mit reichlich Ladung kamen und blieben so lange sie wollten, es gab natürlich jede Menge Schmuggelei in jener Zeit. Damals gab es auch Religionsfreiheit auf Marstrand, so dass die jüdischen Kaufleute kamen und wir hier drüben auf der Insel die erste Synagoge Skandinaviens haben. Es gibt sie immer noch, sie befindet sich in einem Privathaus. Das Beste war aber das Gesetz Paragraf Neun. Eine Generalamnesie von allen Straftaten, solange diese nicht auf Marstrand begangen wurden oder sie nicht Ehre oder Leben bedroht hatten. Als einfacher Dieb konnte man nach Marstrand kommen und hier ein freier Mann sein – aber nur hier, auf der Insel. Unglaublich, oder?

Zum Interview mit Ann Rosman

Bitte unterstützen Sie Ihren lokalen Buchhandel. Oder Sie bestellen das Buch direkt und portofrei hier und helfen auch uns ein wenig. Vielen Dank! Die Wächter von Marstrand - Literaturboot - Buchkritiken, Empfehlung

2 Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Kennen Sie jemanden, der das gern lesen würde? Hier klicken und teilen:

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on pinterest
Share on whatsapp
Share on email

Das interessiert Sie vielleicht auch

Ich schraube, also bin ich

Was haben Motorradschrauber mit Fahrtenseglern gemein? Vor etlichen Jahren bin ich schon einmal auf dieses Thema gestoßen, im Zusammenhang mit unterwegs improvisierten Reparaturarbeiten an Bord einer Langfahrtyacht wurde auf das Buch „Zen and the Art of Motorcyle Maintenance“ (Deutsch: „Zen und die Kunst, ein Motorrad zu warten“) von Robert M.

Reisen und andere Reisen

Dies ist keine Neuerscheinung, aber eine Entdeckung, die so wunderbar ist, dass ich sie hier teilen möchte. Das Buch trägt den Titel „Reisen und andere Reisen“ aber es ist, obwohl es von vielen verschiedenen Orten handelt, kein Reisebuch im klassischen Sinn; es geht hier eher um die Reise oder um

Matjes, Grog & Seemannsgarn

Auf großer Fahrt mit Rezepten, Liedern und Geschichten Food-Spezialisten Martin Lagoda und Bettina Snowdon nehmen uns mit auf große Fahrt über die sieben Meere. Hauptsache der Smutje hat auch genug Vorräte an Bord geschafft. Ihr maritimes Kochbuch mit 60 herzhaften und süßen Rezepten, den Matrosenliedern, Seemannsgedichten und Texten über das

Digitale Empfehlungen