Mit der Lemsteraak in den Süden

Die Überraschung war groß, am Ende des Sommers in Brest eine Lemsteraak unter deutscher Flagge einlaufen zu sehen. Natürlich musste ich mehr darüber wissen – wie konnte jemand von Deutschland aus bis hierher, den äußersten Zipfel Frankreichs im Atlantik, ausgerechnet mit einer gar nicht einmal so großen (10,5 Meter langen) Lemsteraak segeln, und das auch noch alleine?

 

Martin Klawon ist Segler seit seiner früher Kindheit, sagt aber im Scherz von sich selbst, er sei – im Alter von neun Jahren – erst spät zum Segeln gekommen. Das liegt wohl daran, dass er auf Helgoland geboren und aufgewachsen ist, erst als junger Erwachsener ging er, wie fast alle Helgoländer, zum Studieren und Arbeiten auf das Festland. Zuvor segelte er viel und vor allem Regatten auf der Nordsee (die Nordseewoche vor Helgoland ist die bekannteste deutsche Seeregatta), als Vorschiffsmann und auch als Bootsmann auf größeren Yachten.

 

Doch dann brachte ihn eine Freundin auf die Idee, dass man ja auch mal nur so zum Spaß und zur Erholung segeln könne. Und das fiel mit einem Aufenthalt in den Niederlanden zusammen, wo ihm die Plattbodenschiffe natürlich sofort auffielen. Also charterte er solch ein Boot, segelte ins Watt, ließ sich bei Ebbe dort trockenfallen – und damit war es um ihn geschehen. „Vom Trockenfallen, also davon kann ich nur abraten, denn das macht süchtig!“, lacht er. Solch ein Schiff wollte er haben, der Gedanke ließ ihn nicht mehr los. „Bei der Arbeit war ich immer voll fokussiert“, gesteht er, „aber nun begann ich, vor allem nach solchen Booten zu suchen. Einfach mal so zum Spaß, denn leisten, dachte ich damals, könnte ich mir das nicht.“ Doch aus Spaß wurde sehr schnell Ernst, als ihm auch noch eine Bank ein Darlehen für einen Bootskauf zusagte.

Mit der Lemsteraak in den Süden - Literaturboot

Und so kam es, dass er vor gut einem Dutzend Jahren stolzer Eigner einer 10,5-Meter Lemsteraak wurde. „Es war Liebe auf den ersten Blick, das hat der Verkäufer natürlich gleich gemerkt, den Preis verhandeln konnte ich dann nicht mehr!“ Aber auch das hielt ihn nicht ab. Sein Schiff ist eine Lemsteraak von Kuperus, 1982 gebaut, noch mit einem originalen Mercedes Diesel aus dem Baujahr.

 

Im Vergleich zu meiner etwa gleich langen klassischen Segelyacht ist dies ein großes Schiff, und es ist schwer, und es sieht nach viel Arbeit aus. Wie segelt es? Martin: „Ich bin ja Regattasegler. Als solcher muss ich sagen, gar nicht gut. Aber das ist natürlich höchst subjektiv und relativ!“ Er weiß auch, dass Lemsteraaken viel auf Regatten gesegelt werden. „Mein Voreigner war sogar Niederländischer Meister. Er hatte zwei Lemsteraaken, ein reines Regattaschiff und diese hier, die war für das Segeln mit Freunden und Familie. Dann wurde es ihm irgendwann zu viel, sich um zwei dieser Schiffe kümmern zu müssen. Und so verkaufte er eines davon – das Familienschiff!“

Tatsächlich muss ja auch Martin mit den Segeleigenschaften zufrieden sein („solange man nicht kreuzen muss“), immerhin segelt er sein Schiff nun schon so viele Jahre. Und ist immer dabei, beim Erhalten und Upgraden. Neue Segel hat er sich vor einigen Jahren schon machen lassen. „Die Luken auf den Backskisten im Cockpit lagen einfach so lose drauf, das habe ich gleich geändert. Das Bugstrahlruder musste mal erneuert werden. Das Ruderblatt ebenso, die untere Hälfte ist aus Stahl, oben Holz. Dann die hydraulische Steueranlage. Einen Autopiloten dafür zu installieren, war ein mehrjähriges Projekt. Kein Autopilot aus dem Regal hat es geschafft, das Schiff zu steuern. Aber ich bin ja Maschinenbau-Ingenieur, statt die zu reparieren habe ich mir schließlich einen Autopiloten selber gebaut. Mit Einstellungen für dieses Schiff, was ja schwer zu steuern ist. Beim Segeln habe ich viel damit zu tun, diese Parameter immer den Bedingungen anzupassen und neu einzustellen, auch die Segel müssen immer gut getrimmt sein, sonst fährt d…

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