Es ist wohl schon Herbst in Finisterre, doch tagsüber fühlt es sich noch nicht so an: Indian Summer. Die Sonne wärmt, man könnte noch in der See schwimmen, und an der Luft ist das Klima immer noch T-Shirt tauglich. Allerdings haben die Nächte allmählich schon biss, es wird dann knackig kühl. Und sie werden länger, deutlich, vor allem hier am westlichsten Zipfel Europas.

Dafür ist es im September vor allem im Süden, im Morbihan, noch richtig schön und nicht mehr solch ein Wahnsinn, wie im August – dem Ferienmonat der Franzosen, wo tout Paris ans Meer fährt und auf das Meer hinaus. Jetzt können wir wieder ankern, an all den Orten, die noch wenige Wochen vorher hoffnungslos überfüllt waren mit Booten. Aber wer kann es ihnen verdenken, es ist wirklich wahnsinnig schön in allen diesen Buchten und Flüssen, im Morbihan selbst oder der Belle Ile oder den Inseln Houat und Hoedic, oder in meiner Lieblingsbucht auf der Ile de Groix und wo auch sonst noch. Es gibt hier so viele zauberhafte und wildromantische, auch gefährliche Ankerplätze, dass es für mehr als nur ein Segelleben reichen würde.

Locmaria, Ankerplatz
Nun bin ich also hier angekommen, schon im zweiten Sommer mit diesem Schiff, welches ich erst seit drei Jahren habe. Und dieses Mal
bleiben wir hier, mein Schiff und ich, über den Winter und daher können wir auch diesen wunderbaren Spätsommer genießen, ohne wieder zurück, irgendwohin, segeln zu müssen. Im nächsten Frühling dann sehen wir weiter. Bleiben oder gehen? Diese Frage stellt sich ja immer wieder in meinem Leben, auch hier in der Bretagne, meiner region de coeur, und das nicht erst seit diesen letzten zwei, drei Jahren. Jedenfalls, von hier aus, dem äußersten Ende der felsigen Nase, die als nordwestlichster Zipfel des französischen Hexagons in den Atlantik ragt, kann man überall hinsegeln. „Norden, Süden, rechts und links“, um es mit Alfred Andersch zu sagen. Sofern „gehen“ in den Karten stehen sollte. Der perfekte Ort für jede Art von Aufbruch.

Aber es ist eben auch der perfekte Ort, um zu bleiben. Unter klarem Sternenhimmel hinter einer der vielleicht 60…









