Hornblower in der Bucht von Ouessant

Ile d'Ouessant, Lampaul

In diesem Sommer war ich wieder in der Bucht von Lampaul, auf der Insel Ouessant (siehe dazu auch diesen Artikel über meinen Beinahe-Schiffbruch vor vielen Jahren). Diese große Bucht ist nach Südwesten offen zum Atlantik, der Wind aber kam bei diesem Besuch aus Norden – also würde es tief innen in der Bucht, vor dem Ort Lampaul, doch wohl geschützt sein. Dachte ich. Die Realität sah wieder einmal anders aus als die angenommene Idee. Geschützt war die Bucht vor dem Wind, doch der Atlantikschwell lief ungeachtet dessen aus Westsüdwest in die Bucht hinein. Zwar etwas gedämpft, aber genug, um die dort ankernden oder an Mooringbojen liegenden Yachten wild rollen zu lassen, also auch uns. Wind und Schwell verhielten sich in einem rechten Winken zueinander, die Boote lagen zwar mit dem Bug im Wind, damit aber leider auch quer zum Schwell.

Hornblower in der Bucht von Ouessant - Literaturboot

Ungemütlich, um es milde zu sagen. Dann erinnerte ich mich an Horatio Hornblower, fiktiver Kapitän der Royal Navy zu Lord Nelson’s Zeiten und berühmter Romanheld, erschaffen von C.S.Forester. Hornblower befehligte in einem dieser Bücher ein so genanntes „ship of the line“, ein schwerfälliges Schlachtschiff welches allerdings heftige Breitseiten aus etlichen Kanonen abfeuern konnte. Um diese Breitseiten zielgerichtet auf den Feind zu richten als das Schiff vor Anker lag, musste es gedreht werden. Es gelang, indem Hornblower befahl, eine Spring auf die Ankertrosse zu setzen und an diese das Heck herum holte.

Hornblower in der Bucht von Ouessant - Literaturboot

Hornblower in der Bucht von Ouessant - Literaturboot

Fiktion oder Wahrheit? Egal, es war die rettende Idee. Wir lagen mit dem Bug an einer Mooringtonne, befestigten dort am Ring also eine weitere Leide als Spring, die wir zum Heck führten und dicht nahmen, während wir gleichzeitig die Bugleine etwas fierten. Und es gelang: Das Heck schwenkte herum, bis wir, anders als alle anderen Boote, nun quer zum Wind, dafür aber mit dem Bug in Richtung des Schwells lagen. Das Rollen hatte ein Ende, auf einmal war es ruhig an Bord als wären wir in einer komplett anderen Ankerbucht!

 

 

 

Die Bücher um Horatio Hornblower zählen zu den Klassikern der Marineliteratur und zeichnen sich auch durch seemännische Genauigkeit und sehr realistische Schilderungen der damaligen Seefahrt aus -was sich in diesem Fall dankenswerter Weise ganz praktisch bestätigte!

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