Cap Horn ist für Segler sicher ein gefährlicher Ort. Für mich nicht so, es ist eher wie ein kleines Heimkommen. Denn ich habe dieses Bistro auf der Ile aux Moines in diesem Jahr wieder besucht, bin wieder einmal mit meinem Schiff in meine geliebte Bretagne gesegelt. Nach den verschiedenen Reisen davor und den Recherchen zu meinem Buch, natürlich ebenfalls hier. Denn das „Cap Horn“ ist, in diesem Fall, der Schauplatz verschiedener turbulenter Szenen aus meinem Yachtkrimi „Gefährliche Gezeiten“, der eben hier spielt: In der Bretagne, im Golf von Morbiahn, auf der Ile aux Moines und dort in dem Bistro „Cap Horn“ am Fähranleger dieser wunderbaren Insel. Hier geht es drunter und drüber, als unser Held Fabian Timpe einen nächtlichen Angreifer unter den Gästen entdeckt, der ihn fast umbringen wollte. Und vor allem einige Tage später, als er mit seiner Teilzeitgeliebten, Stephanie, auf der Terrasse des „Cap Horn“ sitzt und beobachten muss, wie seine eigentliche, und von ihm ebenfalls sehr geliebte Freundin Catherine von der Fähre vom Festland aus an Land geht und auf sie zusteuert…

Dies ist Fabians erste Szene im Cap Horn, zitiert aus Kapitel 4 von „Gefährliche Gezeiten“:
„Cap Horn. So ist das also, vor Cap Horn, denkt Fabian grinsend. Gemütlich sitzt er in der Sonne, auf der Terrasse der Kneipe die nach dem berühmten Kap heißt, vor sich einen Kir Breton, mit Blick auf den sogenannten Hafen – der nichts ist außer zwei Reihen von Mooringtonnen, an denen diverse Boote und Yachten festgemacht sind. Darunter, an einer Boje in der äußeren Reihe ganz hinten, seine geliebte „Melodia“.
Seit dem späten Vormittag ist er mit dem Schiff hier. Mit dem Hochwasser der vergangenen Nacht hatte er sein dann wieder schwimmendes Boot ins tiefe Wasser verlegt, hatte danach noch etwas geschlafen und war halb um die Insel bis hierhergefahren, wo die Fähren vom Festland, von Port Blanc aus, ankommen und wo sich das meiste Leben der Insel abspielt.
Fabian wartet. Auf Muscheln in Weißweinsauce, die er sich zum Lunch gönnen wird. Und auf bessere Zeiten: Stephanie. Wird sie auftauchen? Fabian weiß nicht, ob er ernsthaft mit ihr rechnen soll, obwohl sie es doch war, die den Ort als Treffpunkt vorgeschlagen hatte, als er ihr gestern Abend noch eine Textnachricht geschickt hatte.
Plötzlich taucht jemand auf, mit dem Fabian nicht gerechnet hat. Der Weißhaar-Schopf, sein Angreifer von der Werft.
Fabian starrt ihn an. Täuscht er sich? Nein – dieses Haar. Unverkennbar. Aber die Insel ist klein. Das wird er sein!
Fabians Gedanken rasen, während er aufsteht. Ich muss ihn konfrontieren, bevor er an der Bar ist und vielleicht von seinen Freunden umgeben…
„Monsieur!“, ruft Fabian und geht auf den alten Mann zu. Der dreht sich um, schaut irritiert und dreht sich wieder weg. „Ja, Sie!“, sagt Fabian und nähert sich dem Mann weiter.
Wie alt der ist, denkt Fabian. Kann einem ja fast leidtun. Aber kräftig ist er in jedem Fall noch, Fabian denkt an seine schmerzende Schulter.
Nun ist er dicht neben dem Mann. Spricht ihn direkt an. „Guten Tag. Wir sind uns ja vorgestern Abend auf der Werft begegnet!“ Der Alte guckt irritiert, wendet sich wieder ab, will weitergehen, aber Fabian stellt sich ihm in den Weg. „Sie haben wohl nicht damit gerechnet, mich hier zu treffen?“
Endlich antwortet der Alte. „Was wollen Sie von mir? Ich kenne Sie nicht!“
„Aber ich erkenne Sie!“
„Sie täuschen sich.“
„Nein, ich bin mir ganz sicher! Vorgestern Nacht, auf der Werft. Sie liefen dort herum, dann warfen Sie den Klotz auf mich.“
„Was soll der Quatsch! Lassen Sie mich durch!“ Er will sich an Fabian vorbei zwängen, der packt ihn am Arm. „Lassen Sie mich los! Was wollen Sie denn!“, zetert der Alte ziemlich laut. Die Gäste von der Terrasse blicken interessiert auf.
Fabian ist ebenso wütend wie aufgeregt, ihm bricht der Schweiß aus. Aber er kann jetzt nicht anders und hält den Alten weiterhin fest. Am liebsten würde er ihn schütteln. „Finden Sie es gut, Leute mit Holzkeilen zu bewerfen? Sie hätten mich ernsthaft verletzen können!“
„Sie sind ja verrückt! Hilfe!“, ruft der Alte.
Zögernd erheben sich die ersten Gäste, noch unschlüssig, ob sie eingreifen sollen. Da kommt jemand aus der Tür, offenbar der Wirt.
„Ludovic! Was machst du denn für einen Alarm!“
Der Alte schaut den Barbesitzer erleichtert an. „Tut mir leid. Aber hier ist so ein Irrer…“
Der Chef des Hauses ist eine imposante Figur. Groß, stattlich, schiebt einen beeindruckenden Bauch vor sich her. Schwarze Haare straff zurückgekämmt, wache Augen, die er auf Fabian richtet.
„Was wollen Sie von dem Mann? Lassen Sie ihn los!“
„Er hat mich angegriffen, vorletzte Nacht, auf der Werft.“
„Der ist doch völlig irre!“, ruft Ludovic und versucht, sich loszureißen. Fabian hält ihn weiter fest und erhöht sogar den Druck auf den Arm des Alten. Obwohl eine innere Stimme ihm rät, jetzt besser loszulassen – er kann nicht.
„Au!“, ruft der Alte theatralisch.
„Sie wissen, dass es so war“, insistiert Fabian.
„Ich sagte, Sie lassen ihn los!“, sagt der dicke Wirt, schiebt seinen Bauch zwischen die beiden und packt Fabian an der Schulter. An der geschwollenen Schulter, ein heftiger Schmerz durchfährt ihn, so dass er den Alten loslässt. Er krampft die rechte Hand zur Faust, lässt sie aber unten. Wütend wendet er sich dem Wirt zu, der bleibt ungerührt.
„Seien Sie still! Und lassen Sie meine Gäste in Ruhe, sonst fliegen Sie raus! Klar?“
„Was ist denn das für ein Aufstand?“
Diese Stimme! Fabian lächelt, fühlt sich erleichtert und beschämt. Alles gleichzeitig.
Von hinten legt sie ihren Arm um seinen Bauch, drückt ihn und küsst ihn auf den Nacken. „Probleme, Liebling?“, flüstert sie ihm ins Ohr.
„Nein“, lügt Fabian. „Nicht wirklich. Und jetzt viel weniger als bis eben.“
„Stephanie, pass auf die Kraftsportler auf“, sagt der Wirt und verabreicht ihr die üblichen Luftküsse auf beide Wangen. Aus den freundlichen Blicken der anderen liest Fabian die Botschaft ab: Stephanie ist hier bekannt.
Sie lässt natürlich nicht locker. „Was war denn?“, fragt sie neugierig in die Runde.
Ludovic hat sich von seiner Überraschung erholt. „Du kennst diesen Spinner? Ich fasse es nicht…“
„Oberflächlich. Warum ist er ein Spinner?“ Steph strahlt Fabian an. Die Welt ist ein Spiel und Steph ist für ihr Leben gern am Zug.
„Der ist verrückt!“, brummt der Alte. „Behauptet, ich wäre nachts auf der Werft herumgestrolcht!“
Sie lacht. „Das hast du ja nun wirklich nicht nötig!“
Ludovic nickt und knurrt: „Bis später, Steph!“ Kopfschüttelnd geht er mit dem Wirt in die Bar.“
Und es wird, wie angedeutet, noch wilder. Aber das muss man dann eben doch lieber im Buch lesen! Das kann man gleich hier, ganz unkompliziert und einfach, in meinem Literaturboot Buchladen bestellen.

Lesung und Gespräch am 6.9.2026 im Rahmen des Literaturfestivals „Föhr erlesen“ – mehr Informationen dazu auf der Webseite der Veranstalter. Hier lese ich aus „Gefährliche Gezeiten“ und aus meinem neuesten Yachtkrimi, „Kurs Cannes“. Im Gespräch über das Segeln, das Leben an Bord und das Schreiben begleitet von Niko von der Lancken. Kommen Sie vorbei, es wird bestimmt ein unterhaltsamer Abend!










