Die Himmelskugel

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Dies ist ein wirklich außergewöhnlicher historischer Roman um den Astronomen und Mathematiker Edmond Halley und seinen jungen, fiktiven Gehilfen. Es ist 1679, und mitten im Südatlantik. Genauer, auf der entlegenen Insel St. Helena. Es geht, natürlich, um menschliche Schicksale, es geht um das Leben in diesem Außenposten des britischen Imperiums, es geht um die Wissenschaft in den Zeiten noch vor dem Beginn der eigentlichen Aufklärung. Es geht vor allem um das Leben des jungen Angus, der zum Beginn des Buches gerade einmal acht Jahre alt ist und ohne Vater aufwächst. Der ist bei einem Unfall ums Leben gekommen, nun lebt Angus mit seiner Mutter, der älteren Schwester, einem kleineren Bruder und ebenso kleinen Neffen, dem Sohn seiner Schwester, zusammen.

Angus ist es auch, aus dessen kindlicher Sicht das raue Leben in diesen Zeiten beschrieben wird. Der Mathematiker und Astronom Edmond Halley kommt nach St. Helena, um dort einige Beobachtungen anzustellen (der wirkliche Halley war tatsächlich, 1677, auf St. Helena). Halley verguckt sich offensichtlich in die junge und wohl nicht unattraktive Witwe, also Angus‘ Mutter. Und beschäftigt den Jungen als seinen Assistenten.

Mit weit reichenden Folgen. Angus lernst schnell und gründlich, lesen und schreiben und rechnen und vor allem auch, zu beobachten. Und träumt davon, auch als Halley längst wieder abgereist ist, wie der eine wissenschaftliche Laufbahn einzuschlagen und wenigstens sein Gehilfe zu werden. Als die Verhältnisse auf St. Helena kompliziert und unschön werden, sowohl die persönlichen Angelegenheiten von Angus‘ Familie als auch die politischen der ganzen Insel, scheint sich der Traum des Jungen zu erfüllen: Er kann, nein: muss auf höchst abenteuerliche Weise als blinder Passagier nach London reisen, um Halley einen geheimen Brief zu übergeben. Dort kann Angus tatsächlich auch bei seinem Vorbild in die Lehre gehen und sich seinen Traum vom Wissen erfüllen.

Doch wie erlebt ein kleiner Junge die Inselgesellschaft der Erwachsenen, unter einem tyrannischen Gouverneuer, wo der Pfarrer hinter seiner verwitweten Mutter her ist? Wo seine Familie deswegen aus der Gemeinschaft verstoßen wird, wo der korrupte Gouverneur eine brutale Schreckensherrschaft installiert? Wir erlebt er die Seefahrt in damaligen Zeiten? Und wie die Zustände einer strikten, undurchdringlichen Klassengesellschaft in London?

Das ist die wirkliche Stärke dieses Buches: Sprachlich sorgfältig und in die Zeit einfühlsam eben aus der besonderen Sicht des Kindes erzählt. Voller Einblicke in das Leben, damals, auf St. Helena und später auch in London. Einige Ungeheuerlichkeiten verlieren durch den klaren aber auch naiven Blick des Kind-Erzählers ihre Ungeheuerlichkeit, da sie vom jungen Gemüt einfach als Gottgegeben hingenommen werden. Was vielleicht auch daran liegt, dass Angus sich sehr an den Herrn Pastor hält, der einzige, der auf der Insel erkennt, dass Angus Bildung wichtig und richtig ist und der seinen Wissensdurst löscht, so gut er es eben kann.

Ebenso atmosphärisch dicht wird die Schiffsreise beschrieben, mit allem, wie es damals war, vor allem vor dem Mast. Dann London und Edmond Halley. Der berühmte Gelehrte und Forscher (1656 bis 1741) ist historisch real aber bleibt hier am Rande, es ist eben die Geschichte des fiktiven Angus. Allerdings erfahren wir auch einiges über den Haushalt und den Alltag des Gelehrten Halley und wie es in seiner Welt zu seiner Zeit vielleicht wirklich zugegangen sein mag.

Ein großartiges Gemälde über die damalige Zeit. Es endet leider etwa aprupt und auch weit offen auf dem Gipfel des Mount Snowdon. Und das zu auch politisch wirren Zeiten, in denen gerade König Karl II gestorben ist (Februar 1685) und niemand sich gewiss sein kann, noch oder schon auf der richtigen Seite zu stehen – noch nicht einmal Edmond Halley, der dann ja aber noch eine großartige Karriere machte in den folgenden Jahrzehnten. Was hingegen aus dem fiktiven Angus geworden sein mag, steht in den von ihm und Halley beobachteten Sternen…

Also: Wirklich lesenswert. Was hier nicht unerwähnt bleiben soll ist die Übersetzung aus dem Finnischen von Stefan Moster. Das finnische Original von Olli Jalonen habe ich nicht gelesen und hätte es natürlich auch gar nicht können. Aber Stil und Sprache des Buches, aus diesem speziellen kindlichen Blickwinkel, machen einen großen Reiz dieses Buches aus. Diese Übersetzung war mit Sicherheit nicht einfach und kann einfach nur sehr gut sein.

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