Hirsholmene – vergessene Inseln im Kattegat

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Sie sind auf jeder Seekarte verzeichnet und dennoch ein echter Geheimtipp. Eine kleine, unscheinbare Inselgruppe im Kattegat, in Sichtweite des großen Fährhafens von Frederikshavn und vielleicht gerade deshalb umso leichter zu übersehen. Auch wir entdeckten diese winzigen aber bemerkenswerten Inseln nur durch Zufall.

Zu verdanken hatten wir es den leichten Winden, die uns nur langsam vorankommen ließen, an jenen Sommertagen und -nächten auf dem Weg durch das Kattegat nach Norden. Unser Ziel hieß Norwegen und hier in Dänemark wollten wir uns nicht weiter aufhalten. Glücklicherweise hatte uns der Wind dann aber vollkommen verlassen, gerade als wir etwa querab der Inselchen standen. Die meisten wirkten nicht viel größer als aufgeblasene Steine, aber auf der Hauptinsel, Hirsholm, war sogar ein kleiner Leuchtturm zu sehen. Und eine einladende Bucht, die sich beim Näherkommen als perfekter Naturhafen entpuppte. Wir beschlossen also, hier einzulaufen, statt weiter in der Flaute zu dümpeln. Hätte der Wind auch weiterhin geweht, wären wir sicher – wie so viele andere Segler vor uns und nach uns – achtlos an diesem märchenhaften Eiland vorbeigesegelt.

Hirsholmene – vergessene Inseln im Kattegat - Literaturboot - Blog

Die gesamte Inselgruppe der Hirsholmene besteht aus 16 winzigen Inseln und hat eigentlich nichts zu bieten. Jedenfalls nicht, wenn man den Komfort einer modernen Marina oder den Trubel eines belebten Ferienortes sucht. Stattdessen ist die kleine Inselgruppe ein Naturschutzgebiet und Vogelreservat, so dass die meisten der unbewohnten Eilande nicht betreten werden dürfen. Sie liegen nur drei Seemeilen von dem belebten Fährhafen Frederikshavn entfernt, auf 57˚29N und 10˚37E.

Die Hauptinsel Hirsholm kann jedoch sehr wohl angelaufen werden. Die „technischen Daten“ der Insel sind schnell genannt. Derzeit leben im Sommer elf Eingeborene auf der Insel. Es gibt einen kleinen Hafen und einen beeindruckenden Leuchtturm aus Granit mit einer Tragweite von 16 Seemeilen. Außerdem eine Handvoll Sommerhäuser und nicht ein einziges Automobil. Die Kirche geht auf das Jahr 1550 zurück und ist so etwas wie eine Sehenswürdigkeit, hat sie doch auch die wahrscheinlich kleinste Gemeinde Dänemarks. Die Insel misst 300 mal 800 Meter und hat einige kleine Sandstrände.

Die Ansteuerung der Insel

Die Ansteuerung ist einfach, solange man sich zwischen den Untiefen an das betonnte Fahrwasser hält. Innerhalb der Einfahrt sollte man sich lieber etwas mehr an der Nordseite halten, da die Südmole zur Versandung neigt. Einmal im Hafen, kann man vor Buganker mit dem Heck an der Pier festmachen, oder einfach auf etwa zwei Meter Wassertiefe im südlichen Teil der Bucht ankern. Wie auf allen kleinen Inseln ist Frischwasser ein kostbares Gut und daher für vorbeikommende Yachten nicht erhältlich und Katzen oder Hunde dürfen nicht an Land, weil sie dort die ja hier geschützte Vogelkolonie stören könnten. Spezielle Einrichtungen für Yachten gibt es keine.

Was ist also der Reiz an diesem unscheinbaren Flecken im Kattegat? Im Vergleich zu den berühmten Ferieninseln Anholt und Laesö wirkt Hirsholm wie von der Welt vergessen. Die Landschaft ist bizarr und die Vegetation spärlich. Es gibt nur einen, nein: zwei Bauernhöfe, deren Häuser aus den rauen Feldsteinen gebaut sind. Obwohl es nur einen Katzensprung von der lebendigen Stadt Frederikshavn auf Jütland entfernt liegt, befindet Hirsholm sich in einer anderen Welt. Das ist auch das Geheimnis dieser Insel. Diejenigen, die es hierher verschlägt, können für eine Weile so tun, als existiere die moderne Welt dort drüben auf Jütland gar nicht, sie können in Ruhe am Hafen herum lungern oder im hohen Gras träumen, unter der heißen Sonne, die aus einem knallblauen Himmel herab scheint.

Angeblich haben hier schon seit der Steinzeit Menschen gelebt. Der Gedanke, wie sie auf dieser winzigen Insel überlebt haben mögen, ist interessant. In einem alten dänischen Geschichtsbuch heißt es dazu, dass die einzigen Aktivitäten hier aus einer bescheidenen Hühnerzucht bestanden, im Aufsammeln von welchem Treibgut auch immer die See an den Stränden hinterließ, etwas Fischen und der Kultivierung winziger Felder. Einmal hat es hier auch eine Lotsenstation gegeben, aber die blieb nur wenige Jahre bevor sie, vermutlich auf Betreiben der hier stationierten Lotsen, nach Frederikshavn verlegt wurde.

Wohin man, nach einem oder auch zwei Tagen auf dieser entrückten Insel mit ihren tausenden von Möwen, leicht entfliehen kann falls die Einsamkeit an einem zu nagen beginnt. Der große, freundliche Yachthafen südlich von Frederikshavn ist weniger als eine Stunde entfernt.

 

Frederikshavn Marina

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