Romantik am Ende der Welt

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Klar und deutlich blinkt das Leuchtfeuer am Horizont, das Profil des Felsens ist unverkennbar: Fastnet Rock ist hier, am Strand von Rossbrin Cove, an diesem friedlichen und klaren Abend nur wenige Tage vor dem ersten Advent deutlich zu sehen. Es ist frisch, aber nicht kalt; vor allem aber ist es still. Die Hunde tollen irgendwo herum, das Wasser liegt bleiern und ruhig da, hin und wieder ertönt das Fiepen irgendeines Seevogels oder einer der Enten, die hier herumpaddeln. Tagsüber war ich stundenlang gefahren, im Leihauto von Galway aus, über schmale und holprige Wege zum Schluss, um hier unten meinen alten Freund Jules endlich einmal zu besuchen. Der äußerste Südwesten Irlands liegt wirklich am Ende der Welt. Vor allem über Land kommend. Jetzt knackt der frische Tang unter unseren Gummistiefeln, Jules zeigt mit seinem Stock über das Wasser, das Panorama dieser Bucht mit seinen vielen Inselchen und Nebenbuchten – „Dort drüben, auf der etwas größeren Insel, wollten sie eine Whiskeydestillerie bauen!“. Hat dann leider nicht geklappt, bedauert Jules, weil es da keinen Strom gibt. Das hätte ihm noch gefehlt in seiner Nachbarschaft hier, am romantischen Ende der Welt. Das vorletzte Mal müssen wir uns in London gesehen haben, viele Jahre her, in einem anderen Leben für ihn und auch für mich, oder war es Amsterdam oder sonst wo, wo man sich als geschäftige und umtriebige Publishing-Manager (er) und PR-Mensch und Autor (ich) eben so trifft. Nun stapfen wir hier über die saftigen grünen Wiesen hinter seinem Haus, die Hunde rasen vorweg, wir klettern über ein paar uralte, niedrige Feldsteinmauern und gehen an dem verfallen Turm aus dem Jahre 1370 vorbei, in dem die Raben nisten. Zum Strand, zum Wasser, ankernde Boote, Inseln, dann der Atlantik. Und Fastnet Rock. Ein magischer Ort, ein magischer Abend. Ich denke an 1979, Fastnet Race, ich mittendrin. Auch ein anderes Leben. Immerhin, das Überleben hat geklappt, damals. Dann gehen wir zurück. Jules hat ein paar Nachbarn zum Cocktail eingeladen weil ich da bin, es wird eine sehr fröhliche, sehr nette Runde – nur Iren fehlen. Die sind wohl alle schon längst ausgewandert, dafür leben hier viele Engländer, auch Deutsche und andere Europäer. Wir trinken Wein, viel Wein, vor dem heißen Bollerofen in der Küche und lachen und scherzen: Einige Engländer. Zwei Deutsche, mich eingeschlossen, ein Portugiese, eine Spanierin und eine Französin. Eine sehr lustige Gesellschaft am Ende der Welt: Hier lebt Europa. Ich nehme mir vor, noch einmal her zu kommen. Mit dem eigenen Boot, wie es sich für mich eigentlich gehört, nicht über Land und durch die Luft.

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