Die kleinste Stadt Deutschlands, Arnis, erinnert in gewisser Hinsicht an das berühmte gallische Dorf von Asterix, Obelix, Majestix und Co. Allerdings geht es hier nicht so sehr um Wildschweine, Hinkelsteine und Zaubertrank, sondern eher um Boote, Bootsbau und überhaupt das Leben am und auf dem Wasser. Doch die Freiheitsliebe der unbeugsamen Gallier aus der Bretagne hat Arnis ebenfalls. Wurde es doch 1667 von 65 Familien aus dem nahen Kappeln gegründet, die sich gegen die Leibeigenschaft eines Gutsherrn und das sogenannte „Bauernlegen“ auflehnten, bei dem Bauern vom Gutsherrn faktisch enteignet wurden, um fortan unfrei zu leben. Die Gründungsfamilien von Arnis kämpften hart um ihre Sache, nutzten offenbar auch sehr geschickt den politischen Streit ihrer Zeit und konnten unter dem Schutz von Herzog Christian Albrecht die Insel besiedeln, um schließlich dort als freie Schiffer und Handwerker zu leben.

So war Arnis von Anbeginn die Schifferinsel, was man bis heute noch nachfühlen kann. Außer, dass es seit 1796 keine Insel mehr, sondern nur noch eine Halbinsel ist. Damals wurde ein Damm zum Festland gebaut, der Damm wurde 1866 noch ausgebaut und erweitert. Doch ob Insel oder nicht, die nautischen Wurzeln sind in der bereits 1673 eingeweihten Schifferkirche gut zu erkennen, deren Inneres durch etliche Schiffsmodelle verschönert ist und die eine der Attraktionen der Stadt ist. Wie übrigens auch der kleine Friedhof mit seinen sprechenden Grabsteinen, die Auskunft über die Schicksale alteingesessener Familien geben. Allerdings ist Arnis vor allem bei Urlaubern beliebt, die auf der Suche nach echtem, maritimem Ambiente sind. Bootswerften, Steganlagen und Boote aller Art bestimmen hier noch heute das Bild.

Arnis dürfte nicht nur die kleinste Stadt Deutschlands sein, mit aktuell etwa 250 EinwohnerInnen, sondern wohl auch die einzige Stadt, in der man mehr Boote als Menschen sieht. Besonders dann, wenn man den sehr idyllischen Rundweg einmal um die 800 Meter lange und 200 Meter schmale, heutige Halbinsel
entlang spaziert. In etwas unter einer gemütlich geschlenderten halben Stunde geht es immer am Wasser entlang, zwischen Ufer und den schönen Gärten und Häusern. Und überall sind Boote festgemacht. Und falls nicht, dann liegen sie in den Gärten. Im Noor, nordwestlich der Insel, befindet sich ein großer, moderner Yachthafen, der alleine 265 Bootsliegeplätze hat. Am Ufer gegenüber liegt die Bootswerft M&P Paulsen mit Stegen und weiteren Bootsplätzen, auf der anderen Inselseite am Schleiufer gibt es gleich mehrere Steganlagen, an denen noch einmal etliche Boote vertäut sind:

Von der Bootswerft Matthias Paulsen, von dem Hafenbauer Ingo Jaich, bei der Eberhardt Werft. Direkt nebenan befindet sich die Balticat-Werft, bekannt für den Einzelbau von Katamaranen und Hausbooten…









