Claus Sohst, heute 76 Jahre alt und noch immer aktiver Jollensegler, erzählt hier seine norddeutsche Lebensgeschichte. Er macht dies mit dem Bemühen, kurzweilig und unterhaltsam zu schreiben, wie er in seinem Vorwort sagt. Und das ist ihm gelunge
Als Kind kann Sohst den Schikanen und Hänseleien (Spitzname „Soße“) seiner Klassenkameraden in der Waldorf-Schule zumindest zeitweilig entgehen, als seine Eltern das Wochenend-Camping am Segeberger See entdecken. Der Eintritt in den örtlichen Segelverein dort verschafft ihm neue Freunde, neues Selbstbewußtsein und, nach einiger Zeit als Vorschoter, auch einen eigenen Piraten. Damit waren wichtige Weichen für sein Leben gestellt.
Sohst hat seinen persönlichen, beruflichen und seglerischen Werdegang in 60 kleinen Geschichten zusammengetragen. Sie zeigen einen Mann, der sich selbst immer in der Mitte der Gesellschaft verortet hat, sei es bezogen auf seine Körpergröße, seine Talente oder seine Erfolge.
In den ersten Jahren sind neben dem Segeln natürlich kollektive Saufgelage und Mädchen bzw. Frauen wichtige Themen, wie bei den meisten Jugendlichen und jungen Leuten. Als er seine spätere Frau kennenlernt, braucht es eine Weile, bis sie richtig zusammen sind und heiraten – aber sie sind es bis heute. Aus dem im Krieg zerstörten und später wieder aufgebautem (groß-)elterlichen Betrieb destilliert er erfolgreich einen Lederhandel. Der sorgt für den ausreichend großen Unterhalt der Familie inklusive Porsche und macht ihm zudem auch noch bis zum späten Ruhestand Spaß.
Sohst selbst nennt nur einen Laser sein eigen. Er hat nicht auf den großen Cuppern mit den berühmten Steuerleuten gesegelt, sondern viele Jahre mit dem Eigner der „Sparta“, bis zu einem folgenreichen Ramming ein IOR-Halbtonner, später eine First 32. Für die Teilnahme an den Antigua-Regatten in der Karibik chartert er mit Freunden Yachten, z. B. eine Oceanis 41, eine vergleichsweise kleine Yacht neben den anderen Segel- und Motoryachten, die bis zu 300 Fuß (über 90 Meter) lang sind. Nicht immer gewinnen sie eine Regatta, aber Sohst und seine Mitsegler:innen erleben alle Höhen und Tiefen eines Seglerlebens: Grandiose Segelpassagen, Kenterungen, Rammings, Mastbrüche, Sturm usw. Und natürlich auch verstopfte Bordtoiletten.
Der Blick zurück auf sein Leben ist auch ein, meist liebevolles, Erinnern an die Menschen in seinem Umfeld, sei es die Frau aus dem Milch-Laden oder der Vorgesetzte, der alte Schuhmachermeister oder der Punk in der Nachbarschaft. Die ehemaligen Hamburger Szenekneipen, die Jobs im Hafen, die Zeit bei der Bundeswehr/Sportfördergruppe Segeln, sein beruflicher Werdegang … Sohst hat seine Geschichte und Geschichten humorvoll und kurzweilig zusammengetragen.
Der Schwerpunkt des Buches liegt auf einem Seglerleben, das nicht von spektakulären Weltumsegelungen, neuen Rekorden oder Höchstleistungen geprägt ist. Wer schon in jungen Jahren dem Segelvirus verfallen ist, kann es so oder so ähnlich ebenfalls erlebt haben. Und das ist gerade das Interessante an diesem Buch.
Wenn auch das Buch kein literarisches Meisterwerk ist und Aufmachung und Lektorat nicht den höchsten Ansprüchen genügen: Es ist eine kurzweilige Leseempfehlung für lange Winterabende.
Illa Schütte
Claus Sohst: Hallo Sohst!
AldagM Verlag
ISBN 978-3-68992-004-3








