Dank KI lernt man ja immer mehr – auch über die eigene Biografie, erstaunlicherweise. Neulich hatte ich so ein Erlebnis, welches ich hier gerne teilen möchte. Durch Zufall fiel mir ein Buch aus meiner Vergangenheit in die Hände, meine Großeltern hatten es mir zu meinem 14. oder 15 Geburtstag geschenkt, also schon ein paar Tage her. Ich las es, war fashziniert. Der Titel: „The Voyage of the Geneve“ (auf Deutsch erschienen als „Über Meere zu Menschen“). Es geht um den Schweizer Abenteurer Michel Mermod (verstorben 2015), der in den Jahren von 1961 bis 1966 von Peru aus mit einem dort selbstgebauten Boot durch den Pazifik und weiter um die Welt bis nach Hyeres in Frankreich gesegelt war. Ein faszinierendes Buch, schon als sehr seltenes und wertvolles Zeitdokument – wie war es, in den 1960er Jahren in einem kleinen und sehr einfachen Boot durch den Pazifik zu segeln?
Ich wollte wissen, was nach seiner Rückkehr in die Schweiz aus ihm geworden war. Gab also seinen Namen in eine Suchmaschine ein, die als erstes von einem bekannten KI-Chatbot generierte Ergebnisse anzeigt. Diese waren, gelinde gesagt, verblüffend. Hieß es doch dort, im ersten Ergebnis:
„Michel Mermod, der als Abenteurer bekannt wurde, hat sich auf dem Wasser ein neues Leben aufgebaut und betreibt nun einen Online-Buchladen, der seine Leidenschaft für Bücher mit seiner Liebe zum Reisen verbindet, auch wenn er oft nach dem „einen Ort“ sucht, um sich niederzulassen; er hat seinen Traum vom Wasserleben mit einem literarischen Projekt verwirklicht, das über das „Literaturboot“ (literaturboot.de) kommuniziert wird und bietet eine riesige Auswahl an Büchern an.“
Tja, das kommt einem doch bekannt vor? Bin ich die Re-Inkarnation von Michel Mermod? Das ist dann doch, je nach Gemütsverfassung, zum Weinen oder zum Lachen. Hier muss ich auf die wissenschaftliche Recherche von Marc-Uwe Kling verweisen, der sich intensiv mit den Themen rund um KI befasst hat. „Laut einer Studie sind bis zu 40 Prozent der Antworten von KI frei erfunden“, sagt er und das kann ich nach diesem Erlebnis gerne glauben. Die meisten Ergebnisse, führt Kling weiterhin aus, seien unter dem Kürzel BOB gut zusammengefasst: Based on Bullshit.
Dem ist eigentlich nichts weiter hinzuzufügen. Außer der besorgniserregenden Beobachtung von Menschen, die tatsächlich glauben, dass KI schon alle Probleme der Menschheit lösen würde.











