Der Schimmelreiter

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Über diese bekannteste Novelle von Theodor Storm muss man ja eigentlich nicht mehr viel erzählen. Eine norddeutsche Gruselgeschichte, die für wohligen Schauer vorm winterlich-prasselnden Kamin sorgt. Aber auch eine Studie über die Bewohner der Nordseeküste und ein schönes Dokument über das Leben hinterm Deich gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Das ist die Geschichte vom unkonventionellen Deichgrafen Hauke Haien und seinem lebenslangen Kampf gegen den „blanken Hans“ (der während winterlicher Sturmfluten wütenden Nordsee), gegen die Verbohrtheit seiner Zeitgenossen und, letztendlich, das eigene tragische Schicksal. Dabei ist diese Geschichte ganz zeitlos, was die menschliche Natur betrifft: Das große Misstrauen gegenüber allem Neuen, dem Neid und der Missgunst und der niederträchtigen Nachrede, um Hass zu säen – aktuelle Beispiele dazu gibt es in unseren Tagen ja leider mehr als genug. Die kraftvolle, immer noch lesenswerte letzte Novelle von Theodor Storm wird vom mare-Verlag hier in einer gewohnt liebevollen Form neu präsentiert. Mit einer von Rudolf Mast überarbeiteten Textfassung, angepasst an die Regeln der aktuellen deutschen Rechtschreibung und mit einem Nachwort von Jan Christophersen. Im Buch heißt es: „Dem Sokrates gaben sie ein Gift zu trinken, und unseren Herrn Christus schlugen sie ans Kreuz!“ Jan Christophersen fügt hinzu: „Storm hat wahrlich kein freundliches Menschenbild gezeichnet. … Aber – immerhin, möchte man sagen: Der Deich, den Hauke Haien unter Aufbietung all seiner Kräfte erdacht und errichtet hat, hält nach der Selbstaufopferung des Erbauers der zerstörerischen Flut stand. Er steht da wie ein Fünkchen Hoffnung. Vielleicht hat Storm die Aussichten für die Menschheit also doch nicht nur schwarzgesehen?“ Jan erwähnt auch, dass es einen Hauke-Haien-Koog tatsächlich gibt, er liegt südlich von Dagebüll auf Höhe der Hallig Oland. Und schließt sein Nachwort mit den Worten: „Mit einer Deichgespenstersage ist es Storm gelungen, das Besondere an diesem abgelegenen Landstrich einzufangen und gleichzeitig etwas ungemein Universelles zu erzählen, das weit über den Horizont hinausweist, der vom Deich aus zu sehen ist.“ Und das alles im edlen „Mare-Gewand“, mit Leineneinband im Schober. Erstklassig!

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