Träume wie Sand und Meer

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on pinterest
Share on whatsapp
Share on email

Dies ist ein klassisches Familiendrama um Macht, Liebe und Verrat; um Unterwerfung und Selbstbehauptung. Kräftige Zutaten also für einen spannenden Mix, eine Geschichte die in ihrem Kern zwar nicht unbedingt neu ist, die aber in diesem Fall absolut mitreißend erzählt wird, noch dazu aus zwei ganz unterschiedlichen, aber doch intensiv miteinander verwobenen Perspektiven. Angesiedelt in den 1960er Jahren, in Cape Cod an der US-Ostküste, dem Sommerort der reichen und mächtigen Familien Amerikas.

Und mit einer solchen haben wir es hier auch gleich zu tun. Die Parallelen zum berühmten Kennedy-Clan sind unübersehbar, aber ein historischer Schlüsselroman soll dies nicht sein. Die Hardcastles, also die Romanfamilie aus dem Buch, agiert hier Mitte der 1960er Jahre und hofft auf die große Politikerkarriere des Sohnes, John F. Kennedy dagegen war schon 1961 Präsident und wurde 1963 ermordet. Aber dennoch, die Parallelen sind unübersehbar. Der strenge Vater, der seine Söhne nach höchstem streben lässt, der Familienclan, die Probleme hinter der blendenden Fassade von JFK, dem jüngsten gewählten Präsidenten, dem Strahlemann der alle mit Charme und Charisma begeisterte. Eben ziemlich genau wie Frank Hardcastle. Auch JFK hatte Affären während seiner Ehe mit Jackie, unter anderem angeblich mit Marylin Monroe und Marlene Dietrich. Und wie Franks Frau „Tiny“ im Buch hatte auch Jackie einige Fehlgeburten. Sehr ähnlich auch das Leben im Sommerhaus-Anwesen in Hyannis Port, Cape Cod, wo die realen Kennedys und die fiktiven Hardcastles jeweils Villenartige Sommerhausanwesen direkt am Strand besitzen.

Dies ist die Geschichte von „Tiny“, die sich schließlich weigert, nur ein hübsches Accessoire an der Seite ihres Politikergatten zu sein. Eine durchaus spannende Geschichte, wenn man wissen möchte wie Tiny in diese Situation geraten ist, welche Zweifel und Konflikte sie dabei immer wieder durchlebt. Und wie ihre Familien jeweils darauf reagieren. Dazu hat sie natürlich eine ganz eigene Geschichte, ihr Geheimnis, die zweite Erzählperspektive.

Dann ist da der „Sonnyboy Strahlemann Mr.Perfect-Future-President“ Frank Hardcastle, in all seiner Zerrissenheit zwischen – ja, das will ich hier nicht verraten, aber er ist als Figur alles andere als, wie es anfangs scheint, eindimensional. Ebenso Tiny selbst, die natürlich eine gewaltige Entwicklung durchmacht, andere Personen dagegen bleiben eher Klischeehaft. Macht aber nichts. Die Story ist trotzdem gut und schwungvoll erzählt und darauf kommt es schließlich an: nicht zu langweilen.

Nein, langweilig ist dieses Buch sicher nicht, kommt da doch auch noch ein Thema zum Vorschein, dass gerade eine gewisse Aktualität hat: Es ist schon erstaunlich, mit welcher Selbstverständlichkeit und auch ohne jegliches Unrechtsbewusstsein die Männer hier (in der reichen Gesellschaft der 1960er Jahre) davon ausgehen, dass sie jederzeit nach Gutdünken über Frauen verfügen können. Ohne Konsequenzen, ohne Gewissen – das ist ihnen in ihrer Sozialisierung in die Wiege gelegt und wird sogar von den älteren, „weisen“ Frauen als Tatsache akzeptiert. #Me too?

An einer Stelle sagt Tiny über sich als Studentin: „Ich schrieb einen lupenreinen Aufsatz zu dem unverfänglichen Thema Jane Austen und die Vernunftehe, konventionell und eloquent, kein einziges Wort am falschen Platz, doch die Lehrerin entstellte meinen gelungenen Essay am oberen Rand mit einer hässlichen roten Drei. Nicht originell genug, stand zur Erklärung darunter, als wäre Originalität das Maß aller Dinge. “

Das ist natürlich das Thema des Buches, aber es trifft auch die Erzählform an sich: „Konventionell und eloquent, kein einziges Wort am falschen Platz. Nicht originell genug? Als wäre Originalität das Maß aller Dinge!“ Ist es natürlich nicht und zumindest ich jedenfalls wollte schon wissen, ob Tiny aus ihrer Opferrolle herauskommt und falls ja, wie sie das schafft. Dies ist eine solide Story und gute Unterhaltung und, das sei hier schon verraten, mit Happy End. Guter Lesestoff also für den Urlaub. Besonders, aber nicht nur am Strand von Cape Cod.


Jetzt portofrei bestellen!

Kennen Sie jemanden, der das gern lesen würde? Hier klicken und teilen:

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on pinterest
Share on whatsapp
Share on email

Das interessiert Sie vielleicht auch

Im Sturm

Ich habe nicht vor, jemals noch einmal in einen schweren Sturm zu geraten, ich glaube, ich habe meinen Anteil daran (üb)erlebt. Da ich aber schon vorhabe, noch weiter zu segeln, lässt sich das leider auch nicht ganz ausschließen. Dennoch ist

Brel. Der Mann, der eine Insel war

Warum ist dieses Buch über das Leben des berühmten Sängers (und weniger berühmten Schauspielers) Jacques Brel so bewegend? Weil man beim Lesen spürt dass man verdammt noch mal sein Leben zu leben hat – und zwar aus dem Vollen, mit

Falcon. Eine Segelreise im Jahre 1887

Dies ist der lesenswerte Bericht über einen Segeltörn in einem umgebauten Rettungsboot von London nach Kopenhagen. Im Jahr 1887. Das englische Original, ursprünglich erschienen 1889, hieß „The Falcon on the Baltic“. Die vorliegende deutsche Ausgabe, leider nur noch antiquarisch erhältlich

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Digitale Empfehlungen

Ehrliche Empfehlungen

und zwar unabhängig von Werbung oder sonstigen Gefälligkeiten. Damit das so bleibt brauchen wir Hilfe.