Ein Grab in den Wellen

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Ich liebe Schottland – aber dieses Land hat offenbar, ebenso wie sein Wetter, auch so einige sehr dunkle Seiten. Glücklicherweise kommt dieses Buch zwar ohne die so oft üblichen medizinisch-dokumentarischen und detialverliebten Beschreibungen physischer Gewalt und enthemmter Blutorgien aus. Schaudern tut’s einen dennoch, denn es werden einige grausame Schicksale beschrieben, die einen ob der ganzen uferlosen Ungerechtigkeit und Kaltherzigkeit und Brutalität dieser Welt das Herz brechen könnten. Wären da zum Glück nicht wenigstens einige wenige wunderbare Menschen, die da noch gegenhalten können – na ja, ganz wie in der realen Welt eben auch. Oder in den vielen Parallelwelten, die hier und da so existieren.

Aber worum geht’s eigentlich? Schwer zu sagen in einem Satz. Es gibt drei Handlungsstränge, die mal mehr, mal weniger miteinander zu tun haben. Grausam und erschütternd, dass man feststellen muss, dass Menschenhandel in Indien offenbar üblich ist und dass europäische Pädophile sich minderjähriger indischer Mädchen bedienen, die von ihren eigenen Familien in das Sexgeschäft verkauft werden. Es geht aber auch um die eigenartigen Beziehungen in einer kleinen Dorfgemeinschaft auf einer entlegenen Insel, es geht schließlich auch um das unappetitliche Rätsel immer mal wieder an den Küsten Schottlands angeschwemmter Füße.

Klingt exotisch? Ist es auch, und zwar alles. Diese drei Geschichten haben natürlich ihre Verbindungpunkte und Überkreuzungen und am Ende wird alles – gut, weil zufriedenstellend und plausibel aufgelöst. Im Zentrum des Geschehens steht fast immer der Meeresbiologe und „Sea Detective“ Cal, der die charmante Idee hat, eine seltene Pflanze in die parkähnlichen Gärten der Wohnpaläste von Politikern und anderen einflussreichen Machtmenschen zu pflanzen, um auf Klimawandel und Umweltbedrohungen hinzuweisen. Leider ist das zwar illegal, aber eben wohl auch ineffektiv, denn auf solch subtile Botschaften reagieren diese Art von Menschen normalerweise ja eher nicht. Dann schon eher auf den Druck der Medien, die sich der Geschichte annehmen als Cal nach einer dieser Aktionen von der Polizei verhaftet wird. So lernen wir denn auch so einige Dinge über den Alltag der schottischen Polizei, in der so einige Kollegen lieber sich untereinander als das organisierte Verbrechen draußen bekämpfen.

Tatsächlich steckt viel in diesem Buch, vielleicht sogar zu viel. Insgesamt ist es aber wirklich spannend und unterhaltsam und eben hier und da auch etwas mehr. Ein cooler und eher untypischer Krimi der auch denen gefallen könnte, die sich von diesem speziellen Genre sonst eher weniger angesprochen fühlen. Gut zu wissen also auch, dass dies der erste Band einer geplanten Reihe ist, das zweite Buch liegt ebenfalls schon vor (Sea Detective: Der Sog der Wellen), mehr auch darüber vielleicht demnächst an dieser Stelle.


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Ein Grab in den Wellen - Literaturboot - Buchkritiken, Empfehlung

Eine Antwort

  1. Liest sich wie ein moderner Hammond Innes, gewürzt mit hinreichend Ian Rankin. Eine ganz andere Liga als die unsäglichen deutschen Insel-Krimis und dergleichen.

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