Die Vermessung der Ozeane

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Was für ein Abenteuer der Menschheit. Vielleicht das größte bis jetzt – das Weltall ist vermutlich gründlicher erforscht, als die Ozeane der Welt es Jahrtausende lang waren. So lange dauerte es, bis die Menschen sich ein Bild, und dann irgendwann auch Karten, von ihrem Planeten machen konnten. Geografie, vor allem aber die Navigation über die Meere, das ist ein unglaublich spannendes Thema. In unserer westlichen Welt jedenfalls waren Kultur und Handel of schon wesentlich weiter, als die im Vergleich dazu geradezu krude wirkende Schifffahrt. Ganz anders hingegen mag es am anderen Ende der Welt ausgesehen haben, bei den im Wortsinn sagenhaften frühen Seefahrern Polynesiens. Von ihnen ist leider kaum etwas überliefert, was uns erlauben würde, die Geheimnisse ihrer Navigation über weite Strecken freien Ozeans zu lüften. Sicher scheint nur, dass diese Inselvölker schon Ozeanreisen unternahmen, als europäische, afrikanische und chinesische Seefahrer sich noch halbwegs blind und verzagt an den Küsten entlang hangelten.

Auf jeden Fall liest die Geschichte der Vermessung der Welt, deren Kartierung und damit eben auch der Navigation und der Seefahrt an sich fast wie ein Krimi. Auch, wenn diese Geschichte in diesem Buch eher nüchtern und sachlich erzählt wird – die vielen Irrungen und Wirrungen der Menschen, Fakten und Fiktion zeichnen ein faszinierendes Bild. Unglaublich, dass es zu allen Zeiten Entdecker und Seefahrer gegeben hat, die sich immer wieder und immer weiter in das absolut Unbekannte hinaus gewagt haben. Fast immer eben mit falschen Karten, fehlerhaften Informationen und ganz fantastischen Ideen im Kopf.

Dabei lernen wir in diesem Buch auch Dinge wie zum Beispiel: Die ersten Hafenhandbücher, Segelanweisungen entlang der Küsten, die es nämlich schon Jahrhunderte vor zuverlässigen Seekarten gab. Oder, woher eigentlich der Begriff „Nord“ stammt oder warum alle Karten nach eben dort ausgerichtet sind – für uns heute selbstverständlich, aber das war beileibe nicht immer so. Wie entstanden die Koordinaten, unser heute gebräuchliches Netz aus Längen- und Breitengraden? Und so weiter…

Für die Generation „Knöpfchendrücker“ am GPS-gespeisten Kartenplotter ist das alles wie Science Fiction, nur statt in die Zukunft eben in die Vergangenheit zurück verlegt. „Heute können wir uns das Geheimnisvolle jener Zeit vor den Karten überhaupt nicht mehr vorstellen“, heißt es irgendwo im Text. Heute, in Zeiten von GPS und digitalen Darstellungen, können viele ja noch nicht einmal mehr mit Papierkarten etwas anfangen. Das ist natürlich eine Tragödie, denn wie so viele andere Fertigkeiten auch geht hier die große Kunst der Navigation verloren, indem die Seefahrer, Amateure wie Profis, diese immer mehr in die Hände von Satellitenbetreibern abgeben.

Und auch das ist eine Tragödie, jedenfalls für diejenigen unter uns, in deren Brust noch eine kleine Entdeckerseele schlummert: Zu entdecken gibt es auf dieser Welt, auf diesem Planeten zumindest geografisch wahrhaftig nichts mehr. Aber das ist er eben, der Fortschritt, der unaufhaltsam fort schreitet, in allen Bereichen des Lebens.

Dieses Buch jedenfalls, reich illustriert, regt in mehr als einer Hinsicht zum Nachdenken an. Und unterhält seine Leserinnen und Leser dabei ganz vorzüglich.

Die Vermessung der Ozeane

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