Sterne sehen…

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Seefahrer früherer Zeiten navigierten nach den Sternen, wenn sie außer Sicht des Landes waren. Schon die Polynesier und, später, Wikinger orientierten sich an den Himmelskörpern um ihre Wege über die Meere zu finden. Mit der Erfindung des Chronometers wurde die Astronavigation mathematisch genau, Generationen von Seeleuten lernten auf die eine oder andere Art, aus den per Sextant gemessenen Höhenwinkeln der Gestirne einen geografischen Ort auf der Erde zu berechnen. Selbst die Astronauten an Bord der Apollo 12 griffen angeblich noch auf die Sternennavigation zurück, nachdem ihr Raumschiff durch Blitzschlag vorübergehend elektronisch paralysiert worden war.

Doch mit der Erfindung von Satelliten und GPS rückte die Navigation per Sextant und nautischer Tafeln immer mehr in die Ecke der Folklore. Nun jedoch erlebt diese „Kunst“ eine offizielle Renaissance. Ausgerechnet die Naval Academy, die Seefahrtschule der US-Amerikanischen Marine, führt nun Kurse in astronomischer Navigation als Pflichtfach wieder ein – fast 20 Jahre, nachdem das Thema aus den Lehrplänen gekippt worden war.

Warum wird das Fach nun wieder eingeführt? Wissen die Amerikaner mal wieder mehr als wir? Ein Sprecher der Academy sagte, dass in einem „nationalen Notfall“ durchaus das GPS-System abgeschaltet werden würde, weil es sonst auch von den Feinden der USA genutzt werden würde. Aber ein nahe liegender Grund ist vielleicht die Zunahme von Hackerangriffen und Cyberwars: „Computer sind großartig“, sagte der Sprecher. „Aber an Bord gibt es ein Problem. Es gibt kein zuverlässiges Back Up.“ Tatsächlich, Apollo 12 hat es gezeigt: Ein Blitzeinschlag kann die komplette Elektronik an Bord lahm legen. Herr und Frau Knöpfchendrücker sind dann aber ziemlich aufgeschmissen, wenn ihnen das auf See passiert.

Maritimes Bild - martime picture

Tatsächlich spielt die elektronische GPS-Navigation in einer anderen Liga, wenn es auf Genauigkeit ankommt: Ein sehr guter, im Umgang mit dem Sextanten geübter Navigator wird den Ort einer Yacht auf, sagen wir, anderthalb Seemeilen genau bestimmen können – und das ist, wie gesagt, schon extrem gut. Das GPS macht es natürlich auf ein paar Meter genau – wenn es denn richtig funktioniert. Aber ist das wirklich nötig? Zumal auf einer Yacht?

Handgemachte Navigation, auch Koppeln und Peilen in Küstennähe, macht Spaß und es ist ungeheuer befriedigend, auch bei unsichtigem Wetter oder starken Gezeitenströmungen oder anderer widriger Umstände sein Schiff in den Zielhafen zu bringen – ein Gefühl, welches der modernen Generation besagter „Knöpfendrücker“ vollkommen fremd sein dürfte, diese armen Menschen.

Kompass

Wie kam es eigentlich dazu? Die Piloten der Air Force sind „schuld“. In den Neunzigerjahren schoss die US Air Force zwei Dutzend Satelliten in eine Umlaufbahn in etwa 20.000 Kilometer Höhe über der Erde. Schon 1995 konnte das „Global Positioning System“ die Position eines Empfängers auf der Erde bis auf wenige Meter genau berechnen. Und seither ist GPS noch nie abgeschaltet worden. Heute kreisen 31 Navigationssatelliten um die Erde. Sextanten, so scheint, es, sind wirklich überflüssig.

Aber gibt es eine Garantie, dass diese Satelliten wirklich immer und für jeden arbeiten? Offenbar nicht, denn nur aus nostalgischen Gründen wird die Naval Academy die traditionelle Art der Navigation wohl kaum wieder aus der Schublade ziehen. Und für uns Amateurseefahrer macht das Navigieren per Hand eben einfach Spaß. Auch wenn man heute, auch ich, natürlich einen GPS Empfänger an Bord hat. Aber vielleicht den als Back Up für den Sextanten? Wie cool wäre das denn? 

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