Wer schreibt, der bleibt…

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Wer schreibt, der bleibt – auch wenn er weg segelt. Warum haben vor allem Segler das ganz offensichtliche Bedürfnis, über ihre Touren, Reisen, Törns, Eskapaden zu schreiben? Oder ist das in anderen Sportarten, bei anderen Hobbys auch so? Fußball? Reiten? Tennis?

Kaum.

Segeln verspricht viel: Abenteuer (trotz GPS), Freiheit (trotz Führerscheinwust und Verordnungswahn), Lebensart (trotz GFK-Einheitslook im Yachtbau). Es lässt sich beim Segeln herrlich philosophieren, aber es lässt sich auch ganz wunderbar dramatisieren. So treten die Charaktere der Autoren zwischen den Zeilen ganz deutlich hervor. Viele wirken irgendwie verbissen, korrekt, angeberisch oder überheblich – die wenigsten, leider, kommen entspannt, locker, selbstironisch, humorvoll oder reflektierend rüber.

Das Problem für die heutige Autorengeneration ist natürlich, dass die Zeiten der Pioniere längst abgelaufen sind. Stattdessen hat sich eine gewisse Inflation und auch Banalisierung selbst beim Umsegeln dieser besten aller Welten breitgemacht. Es ist einfach kein Abenteuer mehr, auf einer 60-plus-Fuß Luxusyacht Knöpfchen drückend und von Satelliten geleitet (womöglich auch noch, im Rahmen einer Rally, von einem Mutterschiff mit Serviceteam) um die Welt zu segeln. Natürlich kann man das machen und sogar einen Riesenspaß dabei haben. Aber als literarischer Stoff eignet sich das alleine nicht.

Die Pioniere, von Slocum über Bernard Moitessier, Eric und Susan Hiscock, Ernst und Helga Koch bis hin zu, sagen wir, Hugo Wehner und, ja, Wilfried Erdmann hatten es in dieser Hinsicht einfacher. Es war eben, anders als heute, noch ein echtes Abenteuer und es war auch noch längst nicht alles gesagt beziehungsweise geschrieben. Das Paradox dabei ist, das sich fast alle dieser frühen Bücher, diese Klassiker des Genres, vor allem deshalb so gut lesen lassen weil sie neben dem unbestreitbaren Abenteuer vor allem das sind: Humorvoll, selbstironisch, reflektierend.

Brauchen wir also immer neue Weltumseglerbücher? Ja – wenn sie ein Thema haben, eine Geschichte erzählen, die über die bloße Tatsache hinausgeht, dass die Welt umsegelt wird und was unterwegs alles so passiert (oder auch nicht). Das trennt die Spreu vom Weizen, das unterscheidet die Schriftsteller von den Berichterstattern, die Geschichtenerzähler von den Langweilern!

Oder? Wie viele Weltumseglerbücher brauchen wir? Wie viele Törnberichte, Blogs oder Bücher von Leuten, die wo auch immer umherschippern? Was davon ist noch lesenswert, was einfach zu banal?

Ich bitte um Tipps und Hinweise, am besten in Form von Buch- oder Blog-Empfehlungen. Hier sind meine Tipps für absolut lesenwerte Segelbücher (abgesehen von den erwähnten Klassikern): „Wellenzeit“ von Alexandra Schöler-Haring, „Baltische Sommer“ von Angelika und Ludwig Böcker, „Wer Meer hat braucht weniger“ von Marc Bielefeld oder „Nordwestpassage für 13 Arglose und einen Joghurt“ von Tina Uebel (die letzteren beiden lesen übrigens auf unserem ersten Literaturboot-Lesefest in Flensburg).

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