Der Kompass. Seine Geschichte in Geschichten

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Olaus Magnus berichtete 1555, dass auf einem Schiff nach dem Gesetz zu verurteilen war, wer am Kompass oder Magneteisenstein herumpfuschte. „Seine Hand wurde mit einem Dolch an den Mast genagelt. Noch schmerzhafter war es, wieder loszukommen, denn dazu musste der Täter seine Hand an der Klinge spalten.“

Dieses makabre Gesetz weist auf die immense Bedeutung des Kompasses hin, der laut Victor Hugo, „die Seele des Schiffs“ ist. Alan Gurney (über den uns der Verlag leider nichts verrät) rekonstruiert in seinem sehr gut recherchierten Buch den langen, arbeitsintensiven Weg von der magnetisierten Nadel, die – in einen Strohhalm gesteckt – in einer Schale mit Wasser schwimmt bis zum perfektionierten Flüssigkeits-Magnetkompass. Auch die stromabhängigen Varianten Kreisel- und Fluxgatekompass werden kurz vorgestellt.

In spannenden Geschichten werden die Verdienste verschiedener Seeleute, Wissenschaftler und Gerätebauer gewürdigt. Nach einem Blick nach China, wo schon im 11. Jahrhundert mit magnetisierten Nadeln „gespielt“ wurde, liegt der Fokus auf der Arbeit in Europa. Flavio Gioia gilt beispielsweise als Erfinder des Trockenkompasses. Aber nur in seiner italienischen Heimatstadt Amalfi. Sicher war aber im Mittelmeerraum durch die Verbesserung des anfangs doch sehr fehlerhaften Navigationsinstruments das winterliche „Schließen der See“ (also das Einstellen der Schifffahrt) bald nicht mehr nötig.

Männer (tatsächlich wird keine Frau lobend erwähnt) wie John Dee, Robert Norman, William Barlowe, Dr. William Gilbert, Edmond Halley, Dr. Gowin Knight und Ralph Walker trugen alle ihren jeweiligen Teil zur Verbesserung des Trockenkompasses bei. Die zu berücksichtigenden Faktoren Missweisung und Ablenkung, für die Kapitän John Ross den Begriff „Deklination“ prägte, wurden erkannt. Matthew Flinders (Namensgeber des Great Barrier Reefs vor Australien) konnte mit seiner „Flinders-Stange“ der magnetischen Induktion entgegenwirken.

Dann kamen Stahlschiffe in Mode und der dauerhafte Magnetismus der Rümpfe führte zu diversen Havarien, bevor weitere Tüftler auch die neuen Herausforderungen in den Griff bekamen. Sir W. Thomson gelang schlussendlich die Perfektionierung des Trockenkompasses. Der dem Flüssigkeitskompass von E.S. Ritchie aus den USA jedoch hoffnungslos unterlegen war, wenn es darum ging, auch auf einem stark rollenden oder durch die Motoren vibrierenden Schiff den Kurs ohne große Schwankungen in der Anzeige ablesen zu können.

Ergänzt durch ein umfangreiches Literaturverzeichnis bietet dieses Buch fundiertes Wissen in Kombination mit kurzweiligem Lesevergnügen. Wer sich für die „Seele des Schiffs“ interessiert, wird von diesem Buch begeistert sein. Obwohl uns die Quelle manchen Zitats leider vorenthalten wird. Dass die Arbeit des Lektorats (wie so häufig) miserabel ist, nervt hingegen und sorgt für Unverständnis.

 

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