Der Seemann

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Ein Seemann schreibt, das hat es schon oft gegeben und oft ist auch sehr Gutes dabei herausgekommen: Denken wir nur einmal an Józef Teodor Nałęcz Konrad Korzeniowski, alias Joseph Conrad (1857 bis 1924). Seeleute haben viel zu erzählen, nicht nur Seemannsgarn und Zoten. Sie leben in einer eigenen Welt, die den Außenstehenden verschlossen bleibt, mit ganz eigenen Gesetzen, Ritualen, Traditionen. Und natürlich weht immer noch ein Hauch von Abenteuer und weiter Welt durch die Seiten, vor allem, wenn die Seefahrt vergangener Zeiten beschrieben wird.

Darum geht es im Grunde auch hier, in dem Buch des schreibenden (ex)-Seemanns Uwe Lammers (siehe Interview). Er beschreibt zwar eine Seefahrt, die er aus eigener Erfahrung noch gekannt hat, bis in die 1980er Jahre hinein, aber auch das ist schon längst wieder „gewesen“; der Wandel unaufhaltsam. Noch erlebt sein „Held“ Jan die letzten Reste einer so nicht mehr vorhandenen Seefahrtsromantik.

Dies ist ein Bericht, eine Reportage vielleicht, aneinander gereihte Anekdoten vor allem im ersten Teil des Buches. Große Literatur wie Conrad ist es nicht, will es auch nicht sein, aber es liest sich ganz gut. Allerdings, ein Spannungsbogen, wenn überhaupt, lässt auf sich warten – erst wenn man sich schon weit vorgelesen hat im Buch nimmt die Handlung etwas Fahrt auf und wird spannend. Dafür erfahren wir anfangs viel über den Bordalltag auf einem deutschen Frachter der 80er Jahre. Alles ein wenig flach, wie auch einige Charaktere und Situationen im Buch; oft wird einfach zuviel erzählt, erklärt, zu wenig einfach gezeigt: Show, don’t tell ist nicht ohne Grund die wichtigste Regel für jeden Autor. Auch der Stereotyp, der Griff in die Klischeekiste bleibt nicht aus. Ebenso die Sprache, die der Seeleute und die vermeintliche Jugendsprache der Achtziger, die ziemlich aufgesetzt wirkt: Ey, Mann, redeten die wirklich so, fragt man sich da unwillkürlich. Aber bei allem meinem gekrittel, bemerkenswert ist es dennoch, was der Autodidakt Lammert hier als Erstlingswerk vorlegt. Lesenswert ist das Buch allemal, wenn man es mehr als Bericht denn als Roman nimmt und auch während gelegentlicher inhaltlicher Flauten dabei bleibt. Und einen guten Zweck erfüllt das Buch sowieso, denn von jedem verkauften Exemplar geht eine Spende an die DGzRS, die deutschen Seenotretter.

 

 

Du bist Seemann?

 

Ich bin hauptberuflich Getränkehändler. Aber ich war Seemann. Ich habe in den 70ern angefangen und Ende der 80er aufgehört. Da waren die Bedingungen so, dass man sagen musste: es reicht. Es wurde Satellitennavigation eingeführt, da sagte der Reeder dann sofort: Nimm mal Speed raus dass du nicht am Wochenende in Bremen bist, es reicht wenn du am Montagmorgen um sechs da bist und dann kannst du auch um 13 Uhr wieder auslaufen. Da haben die Rahmenbedingungen einfach nicht mehr gestimmt. Nur noch hin- und her getrieben und gehetzt werden, Besatzungen wurden reduziert, das mein Leben lang machen? Nee.

 

Am Anfang war das anders?

 

Ja, ich habe auf Stückgutschiffen angefangen, da sind wir mit 29 Mann Besatzung gefahren. Das Schiff auf dem ich angefangen habe, es war die Sloman Najade, habe ich übrigens auch außer Dienst gestellt, zur Sail 86 in Bremerhaven wurde es aufgelegt. Da war ich Nautiker und ich war, bis es verkauft würde, als Wachgänger an Bord. Aber ich bin ausgestiegen, da waren es noch 14 Mann Besatzung, die Crew hatte sich um gut die Hälfte reduziert. Aber auf solch einem Schiff wird dadurch die Arbeit nicht weniger. Heute, das muss ich auch sagen, sind die Bedingungen wieder deutlich besser. Aber sonst bekommen die Reeder wohl gar kein Personal mehr.

 

Und wie wurdest du Getränkehändler?

 

Durch Zufall. Nach der Seefahrt habe ich ein zweites Studium begonnen und in der Gastronomie gejobbt. Dort habe ich meinen heutigen Shareholder kennen gelernt. Heute bin ich Geschäftsführer des Unternehmens.

 

Du hast aber trotzdem noch Zeit ein Buch zu schreiben?

 

Na ja, andere gucken Fernsehen. Ich habe einen anstrengenden und zeitaufwändigen Beruf, aber ich finde die notwendige Entspannung beim Schreiben, das macht mir sehr viel Spaß. Ich habe da auch ganz vorsichtig angefangen, es ging erst einmal darum, auszuprobieren. Als ich so 150 Seiten hatte, habe ich das mal zwei Leuten gegeben und um eine ganz ehrliche Meinung gebeten: „Ist das was oder bau lieber 150 Schwalben und schieb die in die Welt, das könnte besser sein…?“ Beide haben, unabhängig voneinander, gesagt: Schreib es bloß weiter. Dann habe ich noch mit meinem heutigen Verleger gesprochen, der hat es auch gelesen und mich motiviert und so habe ich es zu Ende gebracht.

 

Das ist ja der Traum eines jeden neuen Autors, einen Verleger zu finden. Wie ging das?

 

Der Kollege hat mal ein Buch über die Familie, die das Unternehmen gegründet hat, gemacht; eine Bremer Kaufmannsfamilie mit gastronomischen Wurzeln. Darüber hat er ein Buch geschrieben und so habe ich den Helmut Donat kennen gelernt. Aber ich hätte das Buch im Zweifel auch selbst verlegt, doch so ist es ja viel angenehmer, jemanden dabei zu haben der es kann und lektoriert und berät…

 

Wie bist du auf die Geschichte des Buches gekommen?

 

Ich habe mit einem Nachbarn meiner Eltern gesprochen, der in der Nachkriegszeit so 17, 18 Jahre alt war. Der hat mir erzählt unter welchen Bedingungen die diese Zeit erlebt haben, das hat mich fasziniert, da habe ich mich sehr stark in die Geschichte herein gelesen. Ich bin Jahrgang 1962 und parallel hab ich auch die Fotoalben durchblättert von meiner eigenen Seefahrtszeit und ich dachte, das muss man irgendwie miteinander verquicken, so ist das einfach gekommen. Dann habe ich mal ein paar Seiten geschrieben und einen Plot aufgebaut und dann ist es so gewachsen. Manchmal habe ich es auch vier, fünf Wochen nicht angefasst und es wirken lassen und dann weiter geschrieben. Man kann es nicht in einem runterschreiben. Das muss sich entwickeln. Ich habe da bestimmt anderthalb Jahre dran gesessen.

 

Dies ist wohl nicht dein letztes Buch, oder?

 

Stimmt. Ich bin schon bei einem neuen Buch dran. Darin geht es um die Reederszene, wie heute Schiffe finanziert werden, wie mit Finanzierungen auch betrogen wird, das wird ein Kernthema sein, aber es ist frei erfunden und ein Roman. Ich hole mir Rat ein bei Bankern, ich lese und recherchiere sehr viel, das ist ein Hobby geworden wo ich heute sehr viel Lust zu habe. Die Recherche an sich ist ja schon hoch spannend.

 

Die Inhaltsangabe des Verlages:

Jan zieht es in die Welt hinaus. Wie sein Vater fährt er zur See und liebt das Meer. In Bremen, lernt er Benny kennen. Er weiß nicht, dass sie die Tochter seines Reeders ist. Sie verlieben sich ineinander. Bennys Vater, Conrad Reiman, greift Jans Idee von einem optimierten Schiffstyp auf und holt den jungen Offizier an seine Seite. Fieberhaft arbeiten sie und Reimans Sohn Julius an dem neuen Modell. Zwischen Jan und Conrad entsteht eine Freundschaft, Julius aber fühlt sich unbeachtet. Als er erfährt, dass Jan mit seiner Schwester liiert ist, wirft er ihm vor, auf die Reederei aus zu sein, obwohl Jan doch gar nichts von Bennys Familie wusste. Julius heuert zwei Typen an, die Jan krankenhausreif schlagen. Danach verschwindet Julius spurlos. Der „verlorene Sohn“ hängt fortan wie ein dunkler Schatten über der Familie.

Jans Fahrt auf dem neuen Schiff ist von Erfolg gekrönt. Aber die „Reiman Hamburg“ sinkt, von einem anderen Frachter gerammt, vor der Küste Sardiniens. Wieder in Bremen, meldet sich Julius‘ Arzt und bittet ihn, Julius im Kloster zu besuchen. Nur zögernd und aus Rücksicht auf die Familie macht Jan sich auf den Weg. Wird es einen neuen Anfang geben?

 

 

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