Im Fadenkreuz der Walfänger

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Walfangschiffe verfolgen im Südpolarmeer Minkewale und dazwischen kreuzen vergleichsweise winzige Schlauchboote, um das Abschlachten zu verhindern. Bilder dieses ungleichen Kampfes der Umweltschutzorganisation Greenpeace gegen die japanischen Walfänger gingen um die Welt.

Regine Frerichs, geboren 1960 in Hamburg, steuerte eines der Schlauchboote. Die Geologin und Forschungstaucherin beschreibt in ihrem Buch nun ihre dritte Fahrt in die Antarktis. Sie bricht auf, um „das zu tun, was getan werden muss: die Ausrottung der Wale zu verhindern“.

Wer nach diesem Satz Heldengeschichten und Selbstbeweihräucherung erwartet, liegt falsch. Schon bei der Ankunft in Seoul erlebt die Aktivistin eine „Stimmung, irgendwo zwischen Verantwortungsgefühl, Abenteuerlust und Furcht vor dem, was mich in der Antarktis erwarten wird“. In Südkorea geht sie als Mitglied der 40-köpfigen, internationalen Crew an Bord des Greenpeace-Schiffes „Esperanza“, was Hoffnung heißt.

„Im Fadenkreuz der Walfänger“ ist ein leises Buch. Frerichs beschreibt die Schönheit des Südozeans und seiner Tierwelt, verschweigt aber auch nicht brütende Hitze und fehlende Privatsphäre an Bord oder heftige Stürme. Ihre Tagebucheinträge werden durch viele Hintergrund-Informationen ergänzt: zu so unterschiedlichen Themen wie japanische Walfangflotte, Walarten, „shanghaien“ oder Feuer auf Schiffen.

Rückblicke auf die früheren Fahrten erzählen von den gefährlichen Momenten. Die Walfänger reagierten in den Fangsaisons 2005/2006 und 2006/2007 gewalttätig auf die Greenpeacer, rammten deren Schiff und feuerten ihre Walfangharpune auch über die Schlauchboote und deren Fahrer hinweg. Solche Bilder passten nicht zur offiziellen japanischen Version des „rein wissenschaftlichen Walfangs“. Anteilseigner der Flotte sprangen ab und die australische Regierung sandte ein Schiff der Küstenwache zur Beobachtung ins Südpolarmeer.

Also gehen die Japaner im dritten Jahr der direkten Konfrontation aus dem Weg. Allein durch ihre Präsenz in der Nähe des Fabrikschiffes „Nisshin Maru“ gelingt es Greenpeace, den Walfang 14 Tage lang (etwa zehn Wale werden normalerweise pro Tag getötet) zu verhindern. „Ich bin froh, dass ich dieses Jahr nicht mit ansehen muss, wie Wale sterben… Ich bin nicht böse, dass ich keine Aktion in der Schusslinie der Geschosse fahren muss“, schreibt Frerichs. Verständlich nach der Schilderung einer Aktion, die mit dem Todeskampfes des Wales endete.

ABER: „Ich würde es tun, dafür bin ich ja hier. Ich würde es jederzeit wieder tun.“ Ein fesselndes Zeugnis des Kampfes gegen das Töten aus Profitgier. Ende Oktober 2008 kam Panama übrigens der Forderung von Greenpeace nach, die „Oriental Bluebird“, das Versorgungsschiff der japanischen Walfänger, auszuflaggen.

 

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